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Glaube zeigt sich anders

Von Thomas Gärtner
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Glaube fördert nicht unbedingt den Frieden. Diese Überzeugung scheint weit verbreitet. Jedenfalls antwortete in einer Umfrage nur eine Minderheit von 29 Prozent, der Glaube bewirke mehr Frieden. Rund 500 Personen hatte das Meinungsforschungsinstitut Emnid befragt. Deren Auswahl soll repräsentativ sein. Wie auch immer, solche Studien übersetzen einen Eindruck in Zahlen, den man auch aus zufälligen Äußerungen gewinnt. 69 Prozent der Befragten – eine deutliche Mehrheit – waren der Ansicht, Glaube spalte die Menschen. Dass Glauben zum Terror verleite, davon waren 46 Prozent überzeugt; immerhin noch 40 Prozent davon, er führe zu Intoleranz.

Das Ergebnis überrascht kaum bei so viel Vereinfachung. Sie beginnt damit, dass es den Glauben nicht gibt. Er ist eine abstrakte Konstruktion. Konkret ist immer der Glaube an einen bestimmten Gott, Gottheiten oder übersinnliche Weltzusammenhänge. Doch auch der Blick in Veden, Upanishaden, in Tora, Psalmen, Neues Testament oder Koran gibt, was die Friedlichkeit betrifft, oft nur Widersprüchliches her. Noch konkreter sind nur die Gläubigen. Sie kann ihre Religion friedlicher stimmen, von Ängsten befreien, offener machen, ebenso gut wie mit Hass erfüllen, Abwehr gegen Andere verstärken oder zu Gewalt verleiten. Legitimierende heilige Textstellen finden sich immer.

Als friedlichste Religion gilt der Buddhismus. Was aber ist mit den prügelnden Mönchen von Myanmar? Wieso bringt der angeblich zu Gewalt neigende Islam Millionen friedlicher Muslime hervor? Und warum das Christentum katholische oder evangelische Fremdenhasser? Nur Gläubige kann man beurteilen, nicht Glauben. Das gilt auch für diese Studie.

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1 Lesermeinungen zu Glaube zeigt sich anders
Gert Flessing schreibt:
19. April 2017, 13:32

Lieber Herr Gärtner,
im Neuen Testament werden die Friedensstifter selig gepriesen.
Im Neuen Testament wird dazu aufgerufen, seine Feinde zu lieben.
Im Neuen Testament spricht Jesus davon, das derjenige, der zum Schwert greift, durch das Schwert stirbt.
Im Neuen Testament weint Jesus über Jerusalem, weil die Stadt nicht erkannt hat, was zu ihrem Frieden dient.
Im Neuen Testament beginnt die Lebensgeschichte Jesu mit den engelsworten vom Frieden auf Erden.
Ich denke das genügt, um die, doch recht bedenkliche, Egalisierung zu widerlegen.
Gert Flessing

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 16 | 23.4.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
Tageslosung

Der HERR wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich.

(Psalm 9,19)

Wir werden beim Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.

(1.Thessalonicheralonicher 4,17-18)

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