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Protest allein reicht nicht

Andreas Roth
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Eine Chance ist die Wahl des neuen französischen Präsidenten Macron und eine Versuchung. Jetzt ist die Kuh vom Eis, könnte man denken. Ist sie aber nicht. Ein Drittel der Wähler in Frankreich stimmten für extrem rechts, in ­Österreich fast die Hälfte – und es waren keinesfalls alles Neonazis, so wenig wie unter AfD-Wählern.

Emmanuel Macron zieht die richtigen Schlüsse: Mehr Demokratie und Transparenz in Frankreich und der EU. Denn die Phänomene unter dem unscharfen Begriff Rechtspopulismus haben entscheidend mit einem Gefühl zu tun: von den Eliten nicht gehört zu werden und machtlos ausgeliefert zu sein. Auch unter Linken ist es verbreitet.

Einfach weiter so geht deshalb nicht. Auch in Sachsens Landeskirche. Wohin es andernfalls führt, hat die letzte Tagung der Synode gezeigt: mit einer Demonstration gegen die Strukturreform-Pläne der Kirchenleitung, viel Frust und einer knappen Entscheidung für mehr Mitsprache der Basis. Verantwortliche sollten darüber nicht jammern, sondern die Herausforderung annehmen. Der jetzt beginnende »Entscheidungsfindungsprozess« zur Strukturreform in der Landeskirche ist ein Meilenstein. Mehr Demokratie ist keine Mode. Es ist nicht weniger als ein neuer Schritt auf dem Weg der Mündigkeit und Beteiligung der Einzelnen.

Das verlangt auch von der Basis einiges: Protest allein reicht nicht mehr. Wer gestalten will, braucht bessere Vorschläge. Fundiert, am besten durchgerechnet, die verschiedenen Interessen und Aspekte abwägend. Und die Bereitschaft zu Fairness und Kompromiss. Ohne die wird mehr Demokratie nur in Populismus versacken. In der Kirche wie in der Gesellschaft.

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4 Lesermeinungen zu Protest allein reicht nicht
Gert Flessing schreibt:
12. Mai 2017, 22:13

Ja, das stimmt genau.
Proteste reichen nicht. Es muss die Idee, die auch umsetzbar ist, folgen.
In der Gesellschaft ist das nicht leichter, als in unserer Kirche.
Nun habe ich einige Gesprächsrunden miterlebt.
Es wird kaum möglich sein, allen gerecht zu werden.
Das verlangt von der Basis vor allem eines: Mut.
Den Mut, auch Trauerarbeit zu leisten, denn welche Entscheidung auch immer getroffen wird, das, was einmal war, wird nicht mehr so sein.
Aber wir sollten nie vergessen, das wir, als Kirche, von Jesus herausgerufene Menschen sind. Auch herausgerufen aus lieb gewordenen Traditionen.
Gert Flessing

Optimist schreibt:
16. Mai 2017, 13:08

Warum so pessimistisch, verehrter Herr Roth? Warum sehen Sie so schwarz (bzw. braun)?! Die von den Rechten (gerade auch hier!) vollmundig angekündigten Wahlerfolge ihrer Idole sind ja wohl krachend ausgeblieben. Wer redet noch von Wilders (NL) mit seinen 13%? Die französische Rechtsextremistin hat in der Stichwahl (in die sie mit 2% Vorsprung kam) auch nur ein Drittel der Stimmen geholt gegen einen überzeugten jungen Europäer, dessen Bewegung gerade mal ein Jahr existiert. Und die selbsternannte Alternative, die überaus kräftig die Backen aufgeblasen hat mit einem „Merkel muß weg“, freut sich mittlerweile über einstellige Wahlergebnisse, die viel näher an der 5%-Hürde liegen als an der angepeilten Zweistelligkeit! Aber daran sind ja die „schwierigen Bedingungen“ und die böse, böse Presse schuld. Ach neee. Da war die Luft schnell raus aus dem Soufflè. Gut so. Die Westdeutschen haben halt Erfahrung mit Demokratie (wenn rot-grün schlecht regiert, gibt’s schwarz-gelb; und umgekehrt – aber Rechtsextreme will dort keiner in der Regierung, und eigentlich auch nicht in der Opposition ). Viel länger als wir. Im Notfall retten die uns den Arsch.
Wer hat denn in NRW gewonnen? Der Merkel-Vertraute Laschet, dessen meistgebrauchte Worte am Abend des Wahlsiegs „tolerant“ und „liberal“ waren! Klasse!
Also: mehr Mut, weniger Verzagtheit und selbstbewußtes Auftreten der vielen Demokraten in diesem Land! Lassen wir uns nichts einreden: Die Kuh war nie auf dem Eis! Das haben nur die Rechten behauptet. Ich habe es nie geglaubt. Und ich werde recht behalten.
Was die Basisdemokratie in der Kirche anbetrifft: Die hatte es zu DDR-Zeiten leichter als jetzt. Das ist der Nachteil verfestigter Strukturen, die wir allzu willig übernommen haben. Hier erhoffe ich wirklich ein Umdenken der leitenden Gremien. Aber das würde dann wohl auch die Gehaltsstrukturen (der Geistlichen) betreffen, und da sehe ich dann schwarz. Pfarrer Führer (Gott hab ihn selig) hatte vor ca. 20 Jahren einen entsprechenden Vorschlag (10%-Gehaltsverzicht) gemacht. Der wurde glatt abgebügelt und beerdigt.
Nichtsdestotrotz: Das Volk sind WIR! Und wie es weitergeht, liegt in unserer Hand! Wählen gehen, sich demokratisch engagieren und den Rechten entgegentreten!

Beobachter schreibt:
17. Mai 2017, 16:17

Lieber Altbekannter, stimme Ihne zu, Rechtsextreme will dort und keiner in der Regierung!
Rot-grün, schwarz-gelb und umgekehrt eigentlich auch nicht so richtig! Bei den Einen ist der "Schulzboom" sehr schnell entlarvt worden und bei den Anderen braucht man zwei Parteien (keiner davon hat mindestens 50%, um überhaupt legetim ein Land führen zu können!) um eüberhaupt eine lächerliche "Mehrheit" von e i n e r Stimme zurechtzubasteln!
Allerdings, demokratische Alternativen sind beim ersten Anlauf im Paröament, teilweise hat sie Ergebnisse bis 20% eingefahren. Davon kann manch einer heute nur noch träumen!

Beobachter schreibt:
18. Mai 2017, 11:18

Wollte sagen: Rechtsextreme will dort(in NRW) und überall keiner in der Regierung!
Die demokratische Alternative ist auf Anhieb, aus dem Stand, im 13. Parlament vertreten und selbst in NRW in vielen Gebieten mit bis zu 20% (auch von sehr vielen treuen Christen) gewählt worden!

Tageslosung

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

(Psalm 127,2)

Mein Gott wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.

(Philipper 4,19)

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