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Glaube, Liebe, Fußball

Kirchentag: Sportdirektor Ralf Rangnick hat RB Leipzig nach ganz oben geführt und weiß doch: Fußball ist nicht alles. Anlässlich des Kirchentags sprach er über das, was wirklich zählt im Leben: Vertrauen, Visionen – und Liebe.
Von Stefan Seidel
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Glaubt an Unmögliches und baut auf die Liebe: Ralf Rangnick, Sportdirektor des Fußballvereins RB Leipzig, unterstützt den Kirchentag auf dem Weg in Leipzig. © Foto: picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa

Derzeit schwebt Ralf Rangnick mit RB Leipzig im Fußballhimmel. Der prominente Trainer und Sportdirektor hat das Wunder geschafft und den jungen Leipziger Fußballklub in kürzester Zeit an die Spitze der ersten Liga geführt. Ragnick kann gewinnen – das beweist seine Karriere.

Doch dass er auch nach dem eigentlichen Sinn des Lebens sucht, war bisher weniger bekannt. So war es nicht verwunderlich, dass Rangnick etwas unsicher wirkte, als er vor Kurzem unter dem Logo des Leipziger Kirchentages auf einem Podium Platz nahm. Er sollte sprechen über das Bibelwort »Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen« (Matthäus 25, 35). Das Jesuswort bezog der Sohn schlesischer Heimatvertriebener auf sich selbst: »Ich bin eigentlich zuhause in Backnang bei Stuttgart und war wie die meisten von unserem Verein zunächst fremd in Leipzig.« Doch nach vielen guten Erfahrungen in der Messestadt habe er vor zwei Jahren gespürt: »Ich bin richtig in Leipzig, das ist mein Zuhause.« Da wechselte er aus dem Hotelzimmer in eine eigene Leipziger Wohnung.

Zuhause sein, das hat für den 58-jährigen Startrainer auch viel damit zu tun, bei sich selbst zuhause zu sein. Seit er vor sechs Jahren einen Burn-out erlitten hat, achtet er genauer auf innere Signale. »Damals, als ich mich zum zweiten Mal für den Trainerposten bei Schalke entschied, habe ich im Grunde gegen mein Bauchgefühl entschieden«, erinnert sich Rangnick und ergänzt: »Es geht selten gut, wenn Entscheidungen des Kopfes über das Bauchgefühl gestellt werden.« Immer öfter habe er sich damals nach dem Sinn gefragt und sich fremd mit sich selber gefühlt. Den damaligen Zusammenbruch deutet er heute als Hilfeschrei seiner Seele: »Da war die Seele ein ganzes Stückweit krank, aber hätte ich das weitergemacht, wäre sicher eine schwere Krankheit gekommen.«

Rangnick zieht die Reißleine, kündigt, nimmt sich eine Auszeit. Und beginnt ein Jahr später seine atemberaubende Karriere mit RB Leipzig – für den Klub wie für ihn selbst ging es von ganz unten nach ganz oben. Glauben übersetzt Rangnick daher mit »Visionen haben«. Man müsse fest an seinen Traum, an sein Projekt glauben, seinen Fähigkeiten vertrauen und alle Leidenschaft dafür mobilisieren. Dann könne auch Unmögliches möglich werden. Der ungeahnte Erfolg von RB Leipzig in dieser Saison zeige, was möglich sei im Leben, wenn man wirklich für etwas brennt.

Heute bezeichnet sich Rangnick als glücklichen Menschen. »Ich hatte noch nie eine so große Jobzufriedenheit, das ist großartig«, strahlt der Neu-Leipziger. Hier könne er sich mit seinen Gaben voll und ganz einbringen. Das ist für ihn ein Sinn des Lebens: dass jeder sein eigenes Talent einbringt und damit andere fördert. »Mir geht es darum, etwas von mir mit anderen Menschen zu teilen, ihnen zu helfen.«

Seit Rangnick bewusster lebt, richtet er seine Aufmerksamkeit nicht auf egoistische Erfolge oder das Ausleben negativer Gefühle wie Neid, Angst oder Hass. Er vermeidet es auch, schlecht über andere zu reden. »Ich habe gemerkt, dass man besser lebt, wenn man sich nicht in negative Energien hineinziehen lässt, sondern immer versucht, andere zu verstehen und zu fragen: was ist mit dir, wie kann ich dir helfen?« Dazu habe jeder mindestens einmal am Tag die Chance. So habe Rangnick auch gelernt, mit den unsäglichen Hasstiraden gegen seine Person in den anderen Bundesligastadien umzugehen. »Es bringt nichts, mit der gleichen negativen Energie zu reagieren. Du musst versuchen, mit Liebe zu reagieren. Es geht nicht anders.«

Sicher hätte Rangnick nichts dagegen, wenn Leipzig nächstes Jahr Deutscher Meister wird. Wichtiger scheint ihm aber etwas anderes zu sein: Aufmerksam zu bleiben für die Not anderer und zu helfen, wo man kann.

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