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Urlaub für die Seele – ein Leben lang

Johannes Bilz
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Johannes Bilz
Johannes Bilz ist Pfarrer und Direktor der Evangelischen Akademie Meißen. © privat

Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 

Matthäus 11, Vers 28 

Geschafft! Das erste Arbeitshalbjahr ist herum. Das Schuljahr hat sein Ende. Sommer, Sonne, Urlaub warten – was für glückliche Aussichten.

»Ich will euch erquicken« klingt nach hochwillkommenem All-inclusive-Wellnessangebot für Leib und Seele, passgenau für alle Arbeitsmühsalgeplagten und Schulsstressbeladenen.

Die drückenden Alltagsrucksäcke werden abgestellt, wenigstens auf Zeit. Reiserucksäcke werden stattdessen freiwillig aufgehuckt. Das schöne Erlebnis wird gesucht, noch schnell ein Flug in letzter Minute gebucht, denn etwas Besonderes muss es im Urlaub schon sein. Und ehe man es sich versieht, gerät manches als Entlastung Geplante zu neuer Mühsal mit der Last der erlebnisorientierten Erholung.

Jesu Satz hat, auch wenn er auf den ersten Blick so wirkt, nicht den gelungenen Sommerurlaub im Sinn. »Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.«

Wie so häufig in seiner Rede geht es Jesus um alle und um alles. Es geht um den ganzen Menschen mit seiner körperlichen Kraft und mit seiner Persönlichkeit – auch Seele und Geist genannt.

Er verweist seine Jüngerinnen und Jünger, die neben dem harten Alltag zusätzlich in religiösen Zwängen standen, auf sein Angebot: »Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen«. Nichts Zusätzliches müsst ihr tun, sondern ihr seid entlastet. »Gott wird uns immer wieder in Wartezustände versetzten, die zusammen das eigentliche Leben ausmachen: Leben aus Pfingsten und Advent«, nennt das Jochen Klepper.

Erquicken meint Erfrischen und Stärken, meint einen »Urlaub für die Seele«, ein Angebot – gültig für das ganze Jahr, lebenslang. Johannes Bilz

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1 Lesermeinungen zu Urlaub für die Seele – ein Leben lang
Gert Flessing schreibt:
23. Juni 2017, 9:06

Jesus sagt aber noch mehr. "Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig."
Was Jesu Joch war, muss, so denke ich, nicht gesagt werden. Es war, letztlich, auch unsere Last, die er trug.
Er konnte sie tragen, weil er sanftmütig war. Was gehört wohl dazu, in einer aufbrausenden Welt und Zeit, sich zur Sanftmut durchzuringen.
Sanftmut gehört zu der gelebten Liebe, die dem Mitmenschen mit Wohlwollen und Zuneigung begegnen möchte. Ohne zu urteilen und ohne etwas vorauszusetzen.
Jesus hat es gelebt.
Er konnte diesen Weg gehen, weil er demütig war. Nicht nur nach außen, in buckelndem Gehorsam, sondern von Herzen. In seinem Herzen lag die Bereitschaft zum Dienst, der Mut, sich zu beugen "Nicht, wie ich will, sondern, wie du willst."
Ruhe finden für unsere Seelen? Gewiss. Wenn wir zu ihm kommen und das dürfen wir immer.
Aber die wirkliche Quelle der Kraft öffnet sich da, wo wir von ihm lernen. Dann können wir den Weg der Sanftmut in einer hochmütigen (auch kirchlichen) Welt gehen und finden den Mut, den Dienst zu tun, zu dem nicht Menschen uns zwingen, sondern Gott uns ruft.
Vielleicht kann gerade der Urlaub ein Punkt sein, an dem wir uns allem, oft selbstgemachten, Stress, zu dem ich "erlebnisorientiert" gewiss zähle, ablegen und eintauchen in diesen Raum der Nachfolge, die nach der wirklichen ruhe für die Seele sucht um anschließend wieder wirken zu können.
Gert Flessing

Tageslosung

Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der HERR.

(Sprüche 20,12)

Prüft aber alles und das Gute behaltet.

(1.Thessalonicheralonicher 5,21)

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