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Verschüttete Sehnsucht nach Bereinigung

Gudrun Lindner
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Gudrun Lindner
Gudrun Lindner war bis 2007 Präsidentin der Landessynode und wohnt in Weißbach. © Foto: privat

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. 

Lukas 19, Vers 10 

Erinnern Sie sich noch an die Definition von Volkseigentum zu DDR-Zeiten? »Was deine ist, ist auch meine und was meine ist, geht dich nichts an.« Auf diese Weise wurde manches aus den volkseigenen Betrieben »abgezweigt«. Als wir unsere Tochter vor einigen Jahren zu Weihnachten in Kuba besuchten, nahm sich die Frau am Zoll erstmal einige »Gaben« aus unserem Koffer, ehe wir durch die Schranke durften. Schuldbewusstsein? Das ging wohl nach und nach verloren.

Aber bereichern wir uns nicht auch gerne mal? Bisschen mogeln bei der Fahrtkostenabrechnung. Bisschen mehr hinlangen beim Frühstücksbüffet auf Reisen. Schuldbewusstsein verloren.

Und dann ist da was los in der Stadt. Da kommt ein Prominenter. Der soll beeindruckend reden können. Und von allen möglichen Krankheiten könnte der heilen. Den will ich auch sehen, sagt sich das Schlitzohr Zachäus. Das Volk steht ihm im Weg. Er steigt auf einen Baum. Von oben kann man ja am besten sehen, meint er. Von Schuldbewusstsein ist da noch keine Rede. Erst als etwas hoch Peinliches geschieht: Der Mann, Jesus, sieht ihn an und spricht ihn sogar an. Zachäus wollte Jesus nur sehen und nun ist er angesprochen! Jetzt meldet sich das Schuldbewusstsein! Die verschüttete Sehnsucht nach Bereinigung bricht hervor. Aber, schuldbewusste Menschen lösen bei anderen auch ein unbequemes Schuldbewusstsein aus. Das ist nicht angenehm. Das stört die Selbstzufriedenheit. Und in diese Situation hinein spricht Jesus: Ich bin gekommen, um nach dir zu schauen, dir ins Herz zu sehen. Ich bin gekommen, das verloren Gegangene zu wecken. Bei mir kannst du die Schuld abgeben, kannst rein werden. Dann kannst du selig deine Tage durchleben, auch in dieser kommenden Woche.

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1 Lesermeinungen zu Verschüttete Sehnsucht nach Bereinigung
Gert Flessing schreibt:
29. Juni 2017, 0:10

Schlitzohr? Ganz sicher?
Zachäus war von seinen Glaubensgeschwistern aufgegeben worden, weil er für den angeblichen Feind arbeitete. Es war eine kultische Verlorenheit, die mit materiellen Vorwürfen untermauert wurde.
Er meint: "Wenn ich jemanden betrogen habe..."
Das bedeutet nicht, das er es hat. Der Nachweis fehlt.
Jesus nimmt ihn aber durch sein "zu Gast sein" in die Gemeinschaft wieder auf.
Er geht denen nach, die andere verloren geben.
Gert Flessing

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 26 | 2.7.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
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Lasst euer großes Rühmen und Trotzen; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen.

(1.Samuel 2,3)

Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.

(1.Johannes 3,18)

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