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Krawall statt Alternativen

Tomas Gärnter
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Manchmal möchte man als Journalist verzweifeln – an den Kollegen, an Fernsehzuschauern, Zeitungslesern, an unser aller Sensationsgier. Anfangs gab es noch Berichte vom originellen, friedlichen Protest gegen diesen Hamburger G-20-Gipfel der Hauptverantwortlichen für Umweltzerstörung, Elend und Fluchtursachen. Straßentheater, kluge Reden und Debatten luden zum Nachdenken ein darüber, was der widergöttlichen Raffgier-Globalisierung wirklich gefährlich werden könnte: Alternativen.

Doch so wie die Karossen der Großen auffuhren, liefen die Gewalttäter Amok. Und abermals geschah, was immer geschieht: behelmte Fotografen und Kamerateams auf der Jagd nach den schlimmsten Bildern von der Gewaltorgie. Doch wer auf sie zeigt, bei dem zeigen drei Finger auf ihn selbst. Oder hat wer die Fotos von Wasserwerfern gegen Flaschenwerfer überblättert, weggeklickt, die Filmberichte weggezappt? Wer hat nicht gegiert nach diesen Pulsbeschleunigern, unserem armseligen Anteil am Adrenalinrausch, um den es den Chaoten ausschließlich geht?

Aber was sind schon Tische mit Faltblättern gegen nächtliche Bürgerkriegsszenen? Das Fatale ist diese sich selbst organisierende Geschäftsbeziehung auf dem Markt der Bilder: zwischen Randalierern, Berichterstattern, Voyeuren. Fast möchte man eine Verschwörungstheorie dafür entwickeln.

Denn kaum, dass die letzte Schuldzuweisung an die Anderen für den großen Krawall verklungen ist, kreuzt die breite Kehrmaschine des Vergessens durch Hamburgs Straßen. Was tatsächlich die selbstmörderische Richtung der Weltwirtschaft ändern könnte, ist wieder einmal in viel Lärm untergegangen. Und die G-20-Chefs können weiter regieren wie ehedem.

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2 Lesermeinungen zu Krawall statt Alternativen
Gert Flessing schreibt:
12. Juli 2017, 17:44

Lieber Herr Gärtner,
DAS sah nach Bürgerkrieg aus. Nicht die Berichterstatter sind schuld an den Bildern, sondern jene Chaoten, die sich für Weltverbesserer halten und doch nur Mob sind.
Mich haben diese Bilder zutiefst erschüttert.
Es ist auch billige Effekthascherei Ihrerseits, die Politiker, die dort zusammen gekommen sind, in Busch und Bogen zu den Schuldigen an den Krisen der Welt zu erklären. Halten Sie das etwa für guten Journalismus?
Es ist gut, wenn die Vertreter und Vertreterinnen der Welt miteinander reden. Wäre Ihnen die Alternative dazu lieber?
Wir haben das Glück in einer freien Gesellschaft leben zu dürfen, die nicht vollkommen ist, aber besser, als das, was wir, in Deutschland je hatten. Das sollte niemand vergessen. Es gibt Gegenden, da wäre es nicht bei "Wasserwerfern gegen Flaschenwerfer" geblieben.
Es war nicht Sensationsgier, die für die Bilder verantwortlich war, sondern verbrecherischer und Gewalt liebender, leider von denen, die ehrlich friedlich demonstriern wollten, nicht ausgegrenzter Mob, der all das zu verantworten hat.
Freilich auch ein blauäugiger Senat, der einen G20 Gipfel mit einem Hafengeburtstag verglichen hat.

Beobachter schreibt:
13. Juli 2017, 15:55

Lieber Herr Gärtner.,
es ist nicht verharmlosend und naiv, was Sie da von sich geben. Es klingt, wie in dem meisten "Berichten" in vielen anderen Medien; nach linker unterstützender Journalie! Ein wenig mehr , zumal in einer "KIrchenzeitung", sollte man schon von Ihnen erten können!

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 28 | 16.7.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
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Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der HERR.

(Sprüche 20,12)

Prüft aber alles und das Gute behaltet.

(1.Thessalonicheralonicher 5,21)

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