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Die Hoffnung nicht loslassen

Flüchtlingshilfe: Der Libanon ist nach der Türkei das zweitgrößte Aufnahmeland für syrische Flüchtlinge. Beinahe jeder dritte Bewohner ist ein Flüchtling. Das christliche Kinderhilfswerk »ora« setzt sich für Syrer im Libanon ein. Eine Mitarbeiterin beschreibt ihre Eindrücke.
Carmen Behrens
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  • Flüchtlingskinder im Zeltlager in der Bekaa-Ebene des Libanon: Dank Hilfsorganisationen wie Unicef, Ora oder Beyond Association können syrische Mädchen und Jungen auch Gemeinschaft erleben und Unterricht erhalten. ©REUTERS/Mohamed Azakir

    Flüchtlingskinder im Zeltlager in der Bekaa-Ebene des Libanon: Dank Hilfsorganisationen wie Unicef, Ora oder Beyond Association können syrische Mädchen und Jungen auch Gemeinschaft erleben und Unterricht erhalten. ©REUTERS/Mohamed Azakir

  • Carmen Behrens (l.) mit Aya/ © ora

    Carmen Behrens (l.) mit Aya/ © ora

  • Flüchtlingslager/ © ora

    Flüchtlingslager/ © ora

  • Taxifahrer Khali/ © ora

    Taxifahrer Khali/ © ora

Aya ist ein Kriegskind. Nichts ändert das. Selbst wenn sie 90 Jahre alt wird, wird sie ihren Enkeln das erzählen. Schmerzlich wird uns das während unseres Besuches in den Flüchtlingslagern der libanesischen Bekaa-Ebene bewusst.

Als »ora Kinderhilfe« leisten wir dort seit anderthalb Jahren Flüchtlingshilfe. Monatlich versorgt das Hilfswerk über 1000 Familien mit Lebensmitteln, Decken, Öfen und Heizdiesel. Die mit einem lokalen Partner gebauten Not­unterkünfte schützen vor Kälte und Regen – gegen das Gefühl der Angst und der Einsamkeit können sie nichts ausrichten.

Als der Krieg in Syrien begann, war Aya zwei Jahre alt. Jetzt ist sie fast acht. An Frieden kann sie sich nicht erinnern. Als die Terroristen des Islamischen Staates (IS) ins Dorf kamen, stellten sie ihren Vater vor die Wahl: Entweder du kämpfst für uns oder wir vergewaltigen deine Frau. Ayas Vater zog in den Krieg. Fünf Jahre ist das her. Sie hat ihn nicht wieder gesehen. Die Mutter floh mit den drei Kindern zuerst in ein anderes syrisches Dorf, aber bald kamen die Kämpfe auch dorthin. Zusammen mit der Oma sind sie schließlich in den angrenzenden Libanon geflohen.

Wie die meisten anderen Flüchtlinge ist die Familie nur mit dem, was sie auf dem Leib trug, in der Bekaa-Ebene gestrandet. In der fruchtbaren Gegend wurden in den vergangenen sechs Jahren unzählige Zelte aufgebaut. Mal in größeren Zeltstädten, mal in kleineren Verbünden stehen sie inmitten der Felder, auf denen weiterhin Ackerbau betrieben wird. Grotesk sieht das zuweilen aus. Einmal entdecken wir eine Unterkunft inmitten eines Olivenhains. Eine einfache Behausung aus Latten und Planen zwischen den Bäumen. Sie gehört Khalil und seiner Familie. Sie haben Glück gehabt. Der Bauer, dem das Land gehört, hat ihnen erlaubt, sich dort niederzulassen. Nicht einmal Miete müssen sie bezahlen. Das ist die absolute Ausnahme.

Die Regierung hat den Zugang zum Arbeitsmarkt streng begrenzt. Viele Libanesen verdienen selbst kaum genug zum Leben, die meisten haben Schulden. Ein Kampf um die Arbeitsplätze ist entbrannt. Wenn man ohne Aufenthaltsgenehmigung beim Arbeiten erwischt wird, droht eine Gefängnisstrafe. Doch die Papiere, die alle paar Monate verlängert werden müssen, sind für die Flüchtlinge unerschwinglich. Sie leben von der Hand in den Mund, von humanitären Zuwendungen und von Schwarzarbeit. Khalil verdingt sich als Fahrer. Mit seinem alten BMW ist er als Bote unterwegs. Mit dem, was ihm die Leute zustecken, versucht er seine sechsköpfige Familie durchzubringen. Die regelmäßigen Lebensmittelpakete und Dieselgutscheine der »ora Kinderhilfe« helfen ihm dabei: »Es beschämt mich, aber ich brauche diese Hilfe«, sagt er. Leise fügt er hinzu: »Schon erstaunlich, dass uns die Christen helfen.«

Trotz des Krieges und der prekären Situation leben die syrischen Christen und Muslime streng getrennt. Die christlichen Flüchtlinge haben sich in die städtischen Bereiche zurückgezogen. Dazu sind die Vorurteile auf beiden Seiten zu groß. Khalil ist dabei, seine Weltsicht zu überprüfen. Ihn berührt die Hilfsbereitschaft der Christen. Die Uneigennützigkeit hat ihn zum Nachdenken gebracht und er hat begonnen, eine Bilderbibel zu lesen. Manchmal betet er zu dem christlichen Gott, verrät er uns.

Im Libanon ist die Grenze erreicht. Das Land, noch gezeichnet vom Bürgerkrieg 2006, ist mit der hohen Zahl Schutzbedürftiger überfordert. Die Probleme sind riesig. Die Libanesen haben Angst, dass die Flüchtlinge bleiben.

Weitere Informationen: 

ora Kinderhilfe
ora Kinderhilfe international e.V. ist seit 1981 weltweit für Menschen in Not im Einsatz. Derzeit betreuen die Mitarbeiter und Partner vor Ort Kinder und Familien in zehn Ländern auf vier Kontinenten. Das christliche Hilfswerk hat drei Arbeitsschwerpunkte: Patenschaften für Kinder, Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe. Seit Ausbruch der Kämpfe in Syrien und im Irak unterstützt ora Kinderhilfe die unschuldigen Opfer der Auseinandersetzungen. Um helfen zu können, ist ora auf Spenden angewiesen.

Wenn Sie die Arbeit unterstützen wollen, spenden Sie an: 
Postbank Frankfurt am Main, IBAN: DE33500100600000050609


Mehr Infos unter: www.ora-kinderhilfe.de

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Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Brunnen des Heils.

(Jesaja 12,3)

Jesus spricht: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

(Johannes 7,37-38)

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