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Eine Anregung zur Demut

Sebastian Keller
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Sebastian Keller ist Pfarrer in Leipzig-Thonberg und Leiter der Kontaktstelle Kirche in Leipzig. © Foto: Jan Adler

In politischen Diskussionen oder theologischen Auseinandersetzungen, in Leserbriefen und Kommentarspalten geht es schnell sehr emotional zu. Dann wird der oder die andere be-, wenn nicht sogar verurteilt oder gerichtet. Oft fällt es uns schwer, uns in die Lage oder Denkweise der oder des anderen hineinzuversetzen. Vielfach geben wir uns auch gar keine Mühe, es zu versuchen. Schließlich meinen wir, doch viel besser zu wissen, was andere zu denken und wie sie zu leben hätten. Gerade in Glaubensdingen bilden wir uns häufig ein, wir hätten mehr erkannt als alle Sonstigen. Ist das wirklich so?

Unser Wochenspruch macht deutlich: Wer tatsächlich mehr erkannt hat, steht auch in einer höheren Verantwortung! Hier geht es nicht darum, unsere Mitmenschen zurechtzuweisen. Statt dessen sind wir gefordert, uns selbst in Frage zu stellen. Je mehr wir vom Glauben erkannt haben, um so mehr wird von uns verlangt werden. Je weiter unsere Einsicht wächst, um so intensiver sollten wir mit unserer eigenen Lebensführung befasst sein. Je mehr wir das beherzigen, um so authentischer können wir sein – auch im Umgang miteinander.

Zwischen vielen E-Mails in diesem Jahr ist mir besonders ein Dankeswort für eine ökumenische Zusammenarbeit hängen geblieben. Hier wurde eine »positive Haltung« wertgeschätzt, die trotz »theologisch anderer Ansichten« eine gute Zusammenarbeit ermöglichte. Das hat mich berührt. Wertschätzung, die Andersartigkeit wahrnimmt, sie nicht überhöht, aber auch nicht ignoriert oder gar vereinnahmt. Von dieser Haltung will ich mich weiter inspirieren lassen. Sebastian Keller

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2 Lesermeinungen zu Eine Anregung zur Demut
Gert Flessing schreibt:
12. August 2017, 14:03

Lieber Bruder Keller,
wenn Paulus schreibt, das unser Erkennen Stückwerk ist, so sollte das für uns alle eine große Beruhigung sein.
Möglich, das wir etwas erkannt haben. Möglich, das uns Gott auch etwas offenbart hat.
Aber das ist nicht mehr, als ein Stück. Es ist nicht die Gesamtheit dessen, was Gott ist und schon gar nicht die Gesamtheit von dem, was Gott möchte.
Wer wirklich meint, den Willen Gottes erkannt zu haben, der irrt.
Wir alle haben "unser Fündlein". Aber erst, wenn wir akzeptieren, das die gemeinsam vor Gott gebrachten Fundstücke der Erkenntnis ein Bild geben, können wir wohl versöhnt leben.
Ich weiß, dass ich nichts besser weiß, nur anders.
Von daher bin ich neugierig auf das, was der andere hat. Mag es mir manchmal auch nicht gefallen. Es ist seins. Wir können darüber reden - in gegenseitigem Respekt.
Gert Flessing

Mike Mathäus schreibt:
17. August 2017, 10:18

Werter Sebastian Keller! Vielen Dank für Ihren Artikel.Mit freundlichen Grüßen Mike Mathäus

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 32 | 13.8.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
Tageslosung

Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden.

(Jesaja 54,4)

Durch den Glauben verließ Mose Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.

(Hebräer 11,27)

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