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Trösten mit Luther

Ein Ratgeber fasst tröstliche Tipps Martin Luthers für den Umgang mit Krisen übersichtlich zusammen – eine Hilfe zur Selbsthilfe
Von Stefan Seidel
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So raubeinig-robust Martin Luther in manchen seiner Äußerungen daherkam, so einfühlsam und seelsorgerlich tröstete er viele Menschen, die sich in Krisen an ihn wandten. Dies zeigt der Berliner Autor und Coach Ralf Lengen in seinem Buch »Luthers Trostkiste«. Darin stellt er zahlreiche Impulse des Reformators zusammen, die helfen, bei Trost zu bleiben. In drei Kapiteln – »Innerer Trost, »Äußerer Trost« und »Göttlicher Trost« – findet der Leser locker zusammengestellte Trost-Tipps aus dem Werk Luthers.

Dabei wird deutlich: »Luther wäre heute ein Vertreter der Verhaltenstherapie«. Denn ihm ging es um möglichst schnelle und praktische Seelenhilfe. Immer wieder mahnte er die Trostbedürftigen, dass sie auf ihre Gedanken achten und sich nicht in Negativspiralen begegeben sollen. Traurigkeit und Tränen sollten zwar zugelassen, aber es sollte nicht darin verharrt werden. Die Aufforderung lautet: »Suchen Sie Freude!«

Dabei wird immer wieder deutlich, wie leidgeprüft der Reformator selbst gewesen ist. Lebenslang geplagt von Krankheiten, musste er auch den Tod zweier Töchter verkraften. Er empfahl, Krisen anzunehmen und durchzustehen und trotz allem dankbar zu sein, sich vor Grübelei und depressiven Gedanken zu hüten, Geduld zu haben, Musik zu hören, Tageslicht zu suchen, aktiv zu sein, unter Menschen zu gehen und Hilfe anzunehmen.

Und nicht zuletzt: Trost bei Gott zu suchen. Dies war für ihn die tiefste Quelle von Beruhigung: das Gebet, das Lesen der Bibel, insbesondere der Psalmen und das Hoffen auf den Erlöser. Im Vertrauen auf Christus, der selbst den Tod überwunden hat, können einem seine Überwinderkräfte zuwachsen. Der Gesang kann bei­spielsweise düstere Gedanken vertreiben. Und der Blick auf die Ewigkeit kann trösten. Luther rät: »Wir sollen aber den Schmerzen widerstehen und uns mit Erkenntnis der ewigen Seligkeit trösten.«

Trostsuchende sowie Tröster finden hier einen inspirierenden Ratgeber. Für letztere hat Ralf Lengen noch drei lutherische Tipps auf Lager: Da sein, Verständnis äußern, Mitgefühl zeigen. Es käme für Seelsorger besonders darauf an, das Leid des Gegenübers nicht kleinzureden, sondern sehr ernst zu nehmen. Ansonsten gilt: »Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken, was sie sagen und wie Sie es sagen. Hauptsache, Ihr Gegenüber merkt, Ihr Mitgefühl kommt von Herzen.« Stefan Seidel

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