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Weder Schönredner noch Schwarzmaler

Sven Petry
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Sven Petry ist Pfarrer in der Kirchgemeinde Tautenhain-Ebersbach-Nauenhain. Foto: Gabi Steinert

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. 

Psalm 103, Vers 2 

Mensch, dir geht’s doch gut! – Da kann man doch mal Danke sagen!« So harmlos selbstverständlich kann der Wochenspruch ohne seinen Kontext klingen. Gotteslob als angemessene Antwort auf erfahrene Wohltaten. »Nun stell dich nicht so an, eigentlich geht’s dir doch gut!«

Das hilft nicht, wenn es dir gerade den Boden unter den Füßen weggezogen hat. »Schönrednerei« mag darum denken, wer fragt: Wofür denn danken? Es gibt ja zwischen Himmel und Erde vieles, was nicht gut ist. Ereignisse, angesichts derer das Gotteslob im Halse stecken bleiben kann. In aufgeheizten Debatten, gerade in Wahlkampfzeiten, ist er oft schmal, der Grat zwischen Schönrednern und Schwarzmalern. Der Psalmist ist weder das eine noch das andere. Wer den ganzen Psalm liest, wird neben Gnade und Barmherzigkeit auch Gottes Zorn angesprochen finden. Neben der Güte Gottes kennt der Psalmist auch Sterblichkeit und Verletzlichkeit: »Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras ...«

Der Psalmbeter nimmt das ganze Leben in den Blick. Das Bild, das sich ihm bietet, ist weder schwarz noch weiß. Seine Hoffnung ruht in dem Glauben, dass Gott dieses ganze vielfältige Leben in Händen hält – und noch mehr. »Der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.« Gott sieht das ganze Bild, auch jene Ausschnitte, die ich vergesse oder verdränge. Er gibt meinem Leben eine Perspektive und damit eine Hoffnung, die über mich und meinen eingeschränkten Blick hinausreicht. Darum: »Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.« Sven Petry

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1 Lesermeinungen zu Weder Schönredner noch Schwarzmaler
Gert Flessing schreibt:
13. September 2017, 14:30

Der Psalm, lieber Bruder, ist ein wunderbar persönlicher. Gerade aus dem Grund ist er einer, der von all dem Düsteren, das uns dazu bringen möchte, dass das "Gotteslob im Halse stecken bleiben kann", weg, auf das eigene Leben, das "wie das Gras" ist, weist.
Heute stand ich hinter einem alten Herrn, den ich gut kenne, an der Kasse im Supermarkt. Wir redeten das übliche, wie windig es ist, wie es denn geht... Er sagte: "Ich danke dem lieben Gott jeden Morgen für den neuen Tag." Da hatten wir etwas, was uns verbunden hat. "Lobe den Herrn, meine Seele..."
Nun weiß man am Morgen kaum, was es alles, im Verlauf eines Tages geben wird. Vielleicht auch manches, was dazu führt, dass sich die Stirn umwölkt.
Aber man kann den Tag beginnen und man beginnt ihn nicht schlecht mit dem Lob dessen, der uns den neuen Tag erblicken lässt.
Ja und dann kann man sich daran erinnern, wie viel Gutes es bisher gab. Das gibt Schwung für den Morgen. Egal, wer da wieder mal in dem, was sich so schön "Wahlkrampf" nennt, klappernd die stumpfen Klingen kreuzt.
Gert Flessing

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 37 | 17.9.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
Tageslosung

Meine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht.

(Psalm 119,172)

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.

(Kolosser 3,16)

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