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Die Qual nach der Wahl

Von Stefan Seidel
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Nach der Bundestagswahl scheint es das Gebot der Stunde, kühlen Kopf zu bewahren. Freilich hat sich die politische Landschaft Deutschlands mit dem starken Abschneiden der AfD verändert. Ihre Themen werden nun auch im hohen Haus des Bundestages hörbar. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung wird sich nun besser repräsentiert fühlen.

Ob das nun gleich eine »tektonische Verschiebung« ist, wie manche Kommentatoren meinen, bleibt abzuwarten. Jedoch haben sich neue Konstellationen entwickelt, an denen auch die Kirche nicht vorbeikommt. Die Frage, wie mit der AfD umzugehen sei, hat schon den Evangelischen Kirchentag herausgefordert. Dass man damals das Gespräch nicht grundsätzlich verweigerte, erscheint als weise. Denn nichts macht offenbar einen politischen Gegner stärker als seine Dämonisierung und Tabuisierung.

Dennoch wird es eine Herausforderung für die Kirchen bleiben, die Anliegen dieser Partei zu besprechen und mit ihren Vertretern zu reden – und gleichzeitig auf die Einhaltung von Grenzen zu achten. Also beispielsweise die verbale Verletzung der Menschenwürde nicht zu tolerieren. Über die Inhalte muss geredet werden. Aber der Ton darf nicht verrohen und an Grundwerten muss festgehalten werden.

»Der Stadt Bestes suchen« könnte heute heißen, miteinander um Lösungen der Konflikte zu ringen – unter Beteiligung aller Betroffenen. Und sich gleichzeitig nicht das Fürchten lehren zu lassen. Worauf es ankäme, wäre wohl eine gewisse Ent-Emotionalisierung des politischen Gesprächs. Wo Angst war, sollten praktische Lösungen gefunden werden. Auch um der geheimen Devise der Demagogen zu entgegehen: Wo Angst war, soll möglichst lange Angst bleiben.

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1 Lesermeinungen zu Die Qual nach der Wahl
Gert Flessing schreibt:
27. September 2017, 17:47

Lieber Herr Seidel,
wer den Gegner, auch den politischen, dämonisiert und mit einem Tabu belegt, der schadet sich selbst. Nicht umsonst hat schon Churchill seine Generäle davor gewarnt, Rommel so zu betrachten. Der eigene Elan wird dadurch gelähmt und damit die andere Seite gestärkt.
Es ist immer eine Herausforderung, mit Menschen zu reden, die "anders" denken. Dennoch ist es unabdingbar, in einer Demokratie, genau dies zu tun.
Was den ton anbelangt, nun, der ist nicht nur von einer Seite her "verroht", sondern das können, augenscheinlich, alle Seiten.
Sogar im frommen Feld ist das hin und wieder zu beobachten.
Auch ich würde mir eine "Entemotionalisierung" der politischen Diskussion wünschen, denn nur da, wo wir gelassen und mit Vernunft das besprechen, was Not - wendig ist, könnten vielleicht sogar Ergebnisse gefunden werden.
Gert Flessing

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Ich gab ihnen meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen.

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(2.Timotheus 1,14)

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