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Gott lässt sich in der Tiefe finden

Von Roland Kutsche
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Roland Kutsche ist Pfarrer für Gemeindeaufbau und Gemeindeberatung im Kirchenbezirk Marienberg. © Andreas Tannert

Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Psalm 145, Vers 1

Aller Augen warten auf Dich? Dass Menschen auf Gott warten und voller Sehnsucht nach IHM sind, ist heute in unserem reichen Land alles andere als selbstverständlich. Vor allem hat es für die meisten Menschen kaum noch was mit Gott zu tun, dass wir genügend zu essen und zu trinken haben. Liegt es auch daran, dass Erntedank an Bedeutung in unseren Gemeinden verliert? Gott ist auch nicht mehr selbstverständlich unter uns Christen. Ich denke, es ist gut so, dass Gott keine evidente Wirklichkeit mehr ist!

Wir sind heute wieder herausgefordert, tiefer und gründlicher nach Gott zu suchen und unsere eigenen Antworten zu finden, auch wenn wir zuweilen die Gottesferne fast bis zur Verzweiflung durchleiden müssen. Erleben wir nicht dies auch in unserer derzeitigen kirchlichen Situation?

Die lange selbstverständliche Sozialgestalt von Kirche geht zu Ende. Fragen wir uns geistlich, was die Gründe sind, dass wir kleiner, ärmer, gesellschaftlich unbedeutender werden? Und das ist nicht nur eine Frage der Demografie. Auch bei der Gestalt von Kirche sind wir gefordert, tiefer und gründlicher nachzudenken, als es lange Zeit der Fall war. Es ist ein Fehler gewesen, dass zum Reformationsjubiläum die Frage nach der Kirche nicht gründlich thematisiert wurde: Was macht Kirche eigentlich aus? Was für eine Kirche wollen wir in Zukunft? Beat Weber übersetzt unseren Vers »Die Augen aller, auf dich sollen sie harren ...« Die Aufforderung macht deutlich: Hinkehr zu Gott tut Not. Ich glaube, dass unsere jetzige Zeit für unseren Glauben ein Segen, eine günstige, geeignete Zeit sein kann. Biblisch gesprochen ER-füllte Zeit (Kairos). Gott lässt sich ganz neu in der Tiefe finden! Auch als denjenigen, der uns Speise gibt. Roland Kutsche

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2 Lesermeinungen zu Gott lässt sich in der Tiefe finden
Gert Flessing schreibt:
30. September 2017, 11:51

Ja, Hinkehr zu Gott. Das ist aber nicht Abkehr vom Leben, denn Gott ist und schenkt Leben und Fülle.
Ich weiß, das Gott schweigen kann. ich weiß aber auch, das er nie wirklich fern ist.
Morgen ist Erntedank.
Da gibt es so vieles, was uns umgibt, was uns (vielleicht zu) selbstverständlich geworden ist, bis hin zu dem Gerät, mit dem ich diese Zeilen schreibe.
Am Ende ist die Tatsache, dass wir das alles haben dürfen, Gnade und nicht selbstverständlich.
Angesichts dessen lohnt es, zu Gott hin zu schauen. Der Wochenspruch der endenden Woche redet davon, das wir unsere Sorgen auf ihn werfen können.
Was von ihm zurück kommt, ist immer Hoffnung.
Ein Herbstlied, das ich vor Jahren schrieb und das in unserer Gemeinde beinahe so beliebt ist, wie jenes, das mich dazu inspirierte, gebe ich Euch allen mit in diese Zeit. Es sagt alles, was ich zu dem sagen kann, was unseren Gott und uns anbelangt:
Herbslied
Nach: Geh aus mein Herz (EG 503) Text: Pfarrer Gert Flessing
Es kommt der Herbst in seiner Pracht und machet, dass das Auge lacht, sieht es die Farben strahlen.
Die bunten Blätter an dem Baum. Was Gott gibt ist fürwahr ein Traum, kein Maler könnt das malen, kein Maler könnt das malen.

Der Winterastern violett, das finde ich besonders nett. Kann mich kaum satt dran sehen.
Besonders schön sehen sie aus, wenn sie in einem bunten Strauß bei letzten Dahlien stehen, bei letzten Dahlien stehen.

Wenn Nebeldunst verhüllt die Welt und Kühle mir ins Herze fällt, spür ich die Zeit verrinnen.
Die Zeit ist ja des Herrn allein. So will ich ihm recht nahe sein. Auf sein Wort mich besinnen. Auf sein Wort mich besinnen.

O Herr, gib mir Gelassenheit. Dein ist auch meines Herbstes Zeit. Lass mich dein Strahlen schauen.
Du bist der Glanz der ganzen Welt und wenn auf mich ein Nebel fällt, will ich dir ganz vertrauen, will ich dir ganz vertrauen.

Ein buntes Blatt schwebt sanft vom Baum. Es gibt so neuem Leben Raum, das Gottes Gnad will geben.
Sink ich einst in der Erde Schoß, so lass, Allmächtger mich nicht los. Schenk mir dein ewges Leben. Schenk mir dein ewges Leben.
einen gesegneten Erntedank
wünscht
Pfarrer i.R. Gert Flessing

Beobachter schreibt:
01. Oktober 2017, 12:35

Lieber Gert,
herzlichen Dank für dieses schöne inhaltsreiche Lied!
(Bist Du jetzt Rentner und nicht mehr im Dienst?)
Gruß Joachim

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 39 | 1.10.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
Tageslosung

Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden.

(Jesaja 54,4)

Durch den Glauben verließ Mose Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.

(Hebräer 11,27)

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