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Rückkehr nach Ninive

Verfolgte Christen: Nach dem Sieg über den IS kehren Christen in die irakische Ninive-Ebene zurück – doch droht ein neuer Konflikt. Und in Syrien hat der Krieg kein Ende.
Andreas Roth
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Mit Olivenzweigen als Zeichen der Hoffnung: Christen kehren in die irakische Stadt Karakosch nach der Vertreibung der IS-Terroristen aus der Niniveebene zurück. © Kirche in Not

Die Nachrichten des Grauens aus Syrien und dem Irak sind schon so alltäglich geworden, dass Nachrichten der Hoffnung von dort undenkbar erscheinen. Aber es gibt sie. Und sie haben die Gestalt von Olivenzweigen.

2500 Christen zogen vor wenigen Wochen schwer bewacht mit diesem Symbol der Hoffnung aus der biblischen Noah-Geschichte und mit Kreuzen durch die Straßen der von den IS-Terrortruppen zerstörten Stadt Karakosch in der irakischen Ninive-Ebene. Im August vor drei Jahren mussten sie aus ihr flüchten. Die Olivenzweige stehen für die Rückkehr zu ihren 2000 Jahre alten Wurzeln in diesem Land der Urchristen, für die Hoffnung auf neues Wachsen – und Versöhnung.

Über 120 000 Christen waren im August 2014 vor den blitzartigen Angriffen der Islamisten rund um Mossul meist in das Gebiet der Kurden geflüchtet. Dort lebten sie in Flüchtlingslagern oder bei Verwandten. Nach dem militärischen Sieg der irakischen und kurdischen Truppen über den IS kehren immer mehr von ihnen zurück. »Die Rückkehr in unsere Heimatorte ist noch schwieriger, als es die Flucht aus ihnen war«, sagt der syrisch-orthodoxe Erzbischof Timothy Mosa Alshamany. Denn mehr als 12 000 Wohnhäuser in zwölf christlichen Orten um Mossul sind nach einer Untersuchung des katholischen Hilfswerkes »Kirche in Not« vom IS beschädigt worden. Kirchen wie die in Karakosch hatten die Islamisten entweiht und angezündet.

»Wir haben in Christus einen starken Felsen, der uns Hoffnung gibt«, sagt der syrisch-katholische Erzbischof von Mossul, Yohanna Petros Mouche und dankt Hilfsorganisationen wie »Kirche in Not« für die jetzt dringend nötige Hilfe beim Wiederaufbau.

Zugleich ziehen neue dunkle Wolken über den Christen auf: durch die kurdische Volksabstimmung über ihre Loslösung vom Irak. Die Führer der Autonomen Region Kurdistan warben vor dem Referendum am 25. September stark um die Christen, deren Gebiete in der Ninive-Ebene auch von kurdischen Peschmerga-Kämpfern befreit wurden, und versprachen ihnen Schutz und Eigenständigkeit. Doch die christlichen Parteien der Region sind gespalten. Der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako mahnt angesichts der sich verschärfenden Fronten zwischen Kurden, irakischer Zentralregierung und der Türkei zu Aussöhnung und Frieden. »Einige rühren bereits die Kriegstrommel und wenn es – Gott bewahre uns – zu einem neuen Konflikt kommen sollte, dann würde dies verheerende Folgen für alle mit sich bringen und wie immer würden die Minderheiten am meisten darunter leiden«, sagte der Patriarch der päpstlichen Nachrichtenagentur Fides.

Und im nahen Syrien ist immer noch Krieg. Und wo kein Krieg mehr ist, herrscht das Regime von Diktator Baschar Assad. So wie in Aleppo. Für viele Christen ist dies weniger schlimm als der Terror der Islamisten. Die kleinen evangelischen Gemeinden etwa in Homs und Aleppo bemühen sich um Versöhnung in einer tief zerfurchten Gesellschaft.

Der Diktator Assad wirbt indes stärker um die Christen. Sie seien »ein Teil der Anfänge des Landes und ohne sie wäre Syrien nicht so vielfältig« sagte er Mitte September neben dem syrisch-orthodoxen Patriarchen vor Teilnehmern eines Jugendtages der Kirche. Der Versuch der Extremisten, die Christen zu vertreiben, sei Teil eines Plans »der Spaltung der Region in Einzelstaaten zur Rechtfertigung des jüdischen Staates«, sagte Assad laut Agentur Fides.

Die kleinen Inseln eines demokratischen Widerstandes in Syrien stehen indes zwischen den Fronten des russisch unterstützten Regimes und der Islamisten. Olivenzweige der Hoffnung sind für sie noch in weiter Ferne.

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