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»Der Heil und Leben mit sich bringt«

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Sacharja 9,9
Pfarrerin Ulrike Franke
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Ulrike Franke ist Pfarrerin und Krankenhausseelsorgerin am Klinikum Sankt Georg Leipzig. © privat

Mit Königen habe ich es nicht so. Schon als Kind mochte ich lieber Ritter und Indianer: Helden eben. Aber ein König? Der sitzt auf einem Thron in einem großen Saal, umgeben von Dienern und Beamten. Das klingt nach Langeweile statt Abenteuer.

Doch der König, den Sacharja begeistert ankündigt, ist anders. Was ihn von den selbstverliebten, trägen, lebensuntüchtigen Königen meiner Märchenfilme unterscheidet, ist dreierlei:

Dieser König verlässt seinen Palast, weil er mit dem Leben und echten Menschen in Berührung kommen will. Ich hören ihn sagen: »Ich will sehen, wo du wohnst.« »Ich will verstehen, was dich beschäftigt.« »Ich will deinen Alltag teilen.«

Dieser König verzichtet auf Prestige und eine Demonstration seiner Macht. Er reitet auf einem Esel, einem Lasttier.

Mir gefallen die langen Ohren, das struppige Fell und der Eigensinn dieser Tiere. Aber zu einem König passt wohl eher ein edel trabendes Pferd mit glänzendem Fell.

Dieser König kommt zu mir als einer, der selbst der Erlösung bedürftig ist.

Im hebräischen Text steht: »gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil«.

Dieser König verzichtet nicht nur auf Statussymbole, die er jederzeit wieder anlegen kann. Sondern er teilt mit mir die Erfahrung, mich ohnmächtig zu erleben, ausgeliefert, auf Hilfe angewiesen. So begegnet er mir in diesen Tagen als einer, der den Mut hat, weder ein Held noch ein Herrscher zu sein.

Dieser König ist ein Mensch und öffnet mir die Tür, mich selbst als Menschen anzunehmen.

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2 Lesermeinungen zu »Der Heil und Leben mit sich bringt«
Gert Flessing schreibt:
02. Dezember 2017, 21:54

Ein Mensch. Ja, das ist der, den wir erwarten dürfen. "Von der Jungfrau Maria geboren."
Ein Mensch und doch so viel mehr, als die Menschen, die mir sonst so begegnen, die mir vielleicht die Tür öffnen oder denen ich die Tür auf mache.
Der da, so unspektakulär, kommt, auf einem Esel, das ist auch ganz und gar Gott.
"Gott wird Mensch, dir, Mensch, zugute..."
Er ist es, der uns zuerst an nimmt.
Wir aber dürfen uns, auch in unserer eigenen Angst, die oft da ist, annehmen, weil er uns angenommen hat.
Advent - das ist, für mich, von je her, das Entgegenkommen Gottes in diesem Licht der Welt, das nicht blendet, sondern erleuchtet und wärmt.
Ein König?
Ja. Gewiss. einer, der "Heil und Leben mit sich bringt."
Für uns.
Gert Flessing

Matthias Schollmeyer schreibt:
05. Dezember 2017, 8:53

Und Jesus wandert wieder durch die Städte,
zwei blinde Männer stehen mit zuhauf.
Damit er beide heute noch errette,

lenkt er zu ihnen seines Weges Lauf.
Sie singen: „Jesus, Davids Sohn – erbarme!“
Er hört es und tut ihre Augen auf.

Die neuen Augen schützend mit dem Arme,
erspähen sie ein Schauspiel vor der Stadt:
Im Dorfe unten ruft man zum Alarme,

zwei Tiere jemand losgebunden hat.
„Was schleicht am Hof ihr hier und sucht zu lösen
zwei Esel, die ihr füttertet nicht satt?“

Die Jünger Jesu nesteln an den Ösen
des Strickes, der die beiden fest verband.
Doch der Besitzer ruft: „Ergreift die Bösen!

Wer raubt und stiehlt, den treffe Blitz und Brand!“
Doch darf er bald des Vorfalls Lösung hören:
„Der HERR bedarf der Esel un­ver­wandt.

Lass dich von alter Schriften Wort betören,
sie woll´n das Heil der Zeit herauf beschwören.“

Die Esel werden sacht zum Tor geleitet,
und königsgleich nimmt Jesus darauf Platz.
Das Volk hat längs den Weg ihm vorbereitet

und Kleider ausgebreitet zum Ersatz.
Sie gaben ihre Mäntel hin als Sattel,
man läuft und schwenkt das Grün des Lorbeerblatts.

Grünzweige von der Palme, von der Dattel
schlug man, und ruft dem Meister ohne Ruh:
„Hosanna Jo!“ und lustiges Getrappel

von Hufen klappert munter mit dazu.
„Gelobt sei, der da naht in Gottes Namen.
Sanftmütig und als Helfer kommst nur Du!

Wir warteten schon lang auf Davids Samen,
nun schufst du Wunder uns mit leichter Hand,
wie aus des Himmels Rahmen zu uns kamen

aus weiter Höhe sie in’s finstre Land.“
Verständnislos die Pharisäer stehen,
der Augen Paar verhüllt mit dunklem Band.

Doch trotzdem will der Sinn des Sinns geschehen!
Zwei Blinde haben ihn bereits gesehen …

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 48 | 3.12.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
Tageslosung

Meine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht.

(Psalm 119,172)

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.

(Kolosser 3,16)

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