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Das Sterben annehmen – denn es führt weiter

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12, Vers 2
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Uwe Claus ist Gemeindepädagoge der Auferstehungskirche Dresden-Plauen und Schriftsteller. © Foto: privat

Es gibt nicht viele Tabus in unserer Zeit, doch geht es um den eigenen Tod, verstummen wir. Wir ahnen, selbst im Kreise der Familie gehen wir den letzten Schritt allein, sogar wenn er der erste Schritt in ein neues Leben sein sollte.

Diese Erfahrung blieb selbst Jesus nicht erspart: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen ...« Das Korn erstirbt und wird selbst nicht Zeuge der Frucht, die es bringt. Ist es das, was uns stumm an unser Hier und Jetzt klammern lässt? Gottes Schöpfung ist so angelegt, dass der Tod, das Sterben untrennbar zum Leben dazugehört: die zweite Seite ein und derselben Medaille!

Als mein Vater die Diagnose bekam, dass er nur noch Monate und keine Jahre zu leben hat, sprach er mit niemandem darüber, er organisierte ein großes Fest und lud die ganze Familie zu seinem 60. Geburtstag ein. Dann machte er mit meiner Mutter eine Reise nach Italien zu den Orten seiner Jugend. Auf der Rückfahrt kam der unausweichliche und vorausgesagte tödliche Hirnschlag. Die Rückfrage der Ärzte, ob seine Organe für eine Transplantation zur Verfügung stünden, entschieden wir mit: Ja. Er hätte es gewollt, dass andere Menschen durch ihn weiter sehen, hören, fühlen, leben.

Im Hinblick auf Ostern ist gerade der Vers vom sterbenden Weizenkorn eine Ermutigung für mich. Wir haben es vielleicht nicht in der Hand zu organisieren, wie wir durch unseren Tod hindurch vielfältig Frucht bringen werden, aber schon unsere Worte, die das Unbegreifliche zu fassen suchen, können anderen über den Tod hinaus Glaube, Hoffnung und Liebe schenken. Uwe Claus

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DER SONNTAG, Nr. 10 | 11.3.2018 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
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