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Mehr Freiheit für Gemeinden

Strukturreform: Einer Gemeinde sind Kinderangebote wichtig, einer anderen Kirchenmusik – und nicht alles muss ein Pfarrer machen. Mehr Freiheit könnte nützlich sein.
Andreas Roth
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Strukturreform,

Zahlen atmen nicht, sie liegen fest. So ist es auch mit der Strukturreform in Sachsens Landeskirche und ihren Stellenplänen. Doch was geschieht, wenn eine Stadtgemeinde mit vielen Familien lieber mehr Pädagogen und Kantoren möchte und dafür weniger Pfarrer? Oder eine Landgemeinde mangels Kinder die Gemeindepädagogin mehr in Gottesdiensten und Seelsorge braucht?

Die Anstellungen von Verkündigungsmitarbeitern müssten nach lokalen Bedürfnissen geplant werden, fordert die Basisinitiative »Zurück auf Los«. »Aus starren landeskirchlichen Stellenzuweisungen wird ein Budget, mit dem die Gemeinde diese Mitarbeiter bezahlt.«

Einer, der seit vielen Jahren solche Spielräume fordert, ist der gerade verabschiedete Bornaer Superintendent Matthias Weismann. »Wir haben uns in unserer Kirche zu einem unangenehmen Zentralismus entwickelt, der Beteiligung und Kreativität hemmt«, sagt das frühere Mitglied der Kirchenleitung. »Lasst doch die Vorstände in Kirchenbezirken und Gemeinden in den so verschiedenen Regionen unserer Kirche selbst entscheiden, welche Schwerpunkte und Stellen wichtig sind.«

Schon jetzt können sächsische Kirchenbezirke Gemeindepädagogen und Kantoren zentral anstellen und zu großen Teilen je nach Bedarf verteilen, erwidert Oberlandeskirchenrätin Margrit Klatte. »Pfarrstellen aber können nicht einfach umgewandelt werden in eine Angestelltenstelle«, sagt die Personaldezernentin der Landeskirche. »Für mehr Gestaltungsfreiheit bräuchten die Kirchenbezirke auch deutlich mehr Verwaltungspersonal und das wäre noch teurer.«

Die Kritiker der Reformpläne der Kirchenleitung hingegen sehen in mehr Flexibilität auch Sparpotentiale. Peter Siegel aus Rußdorf etwa, einer der Sprecher der Initiative »Zurück auf Los« und früher im Landesamt für Familie und Soziales Sachgebietsleiter für Organisation, hat einen Vorschlag. Würden künftig auch Gemeindepädagogen pfarramtliche Aufgaben übernehmen können, hätten viel mehr kleinere Gemeinden die Chance auf einen hauptamtlichen Verkündigungsmitarbeiter, so Siegels Modellrechnung.

In den anderen ostdeutschen Landeskirchen ist das seit den 1970er Jahren längst Alltag. Gemeindepädagogen können dort nach einer Ausbildung in Berlin wie Pfarrer ein Vikariat absolvieren und ordiniert werden. »Legt ein Gemeindekirchenrat bei der Ausschreibung einer Pfarrstelle besonderen Wert auf Bildungsprozesse, dann kommen auch ordinierte Gemeindepädagogen in den Blick«, erklärt Michael Lehmann, der Personaldezernent der mitteldeutschen Landeskirche. 70 ordinierte Gemeindepädagogen arbeiten in ihr. Das wäre über eine Weiterbildung auch als Weg für sächsische Gemeindepädagogen »überlegenswert«, sagt die Vorsitzende des Berufsverbandes Gemeindepädagogik in der Landeskirche, Maja Härtel aus Lengenfeld. Schon jetzt predigen etliche ihrer Kollegen als Prädikanten. Doch die Kirchenleitung fordert in Strategiepapieren von Gemeindepädagogen eher eine Konzentration auf Kernaufgaben wie Kinder- und Jugendarbeit. »Der gewichtigste Grund dafür ist: Bei Pfarrern wie Gemeindepädagogen und Kirchenmusikern gibt es in den letzten Jahren einen großen Professionalisierungsschub«, sagt Oberlandeskirchenrätin Margrit Klatte. »Und diese je eigene Kompetenz wird auch gebraucht.«

Zwischen den verschiedenen Berufen müsse es in Zukunft mehr Gemeinsamkeiten geben als bisher, forderte dagegen eine gemeinsame Arbeitsgruppe kirchlicher Berufe 2015. »Jeder Mitarbeitende muss Kirche vor Ort repräsentieren können.« Doch viele Gemeindepädagogen wie Kantoren und Verwaltungsmitarbeiter fühlen sich mittlerweile in der Strukturdebatte ungehört.

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