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Als gebürtiger Berliner ist Bischof Rentzing besonders betroffen über den Anschlag in Berlin

Bischof rechnet mit gut besuchten Kirchen zu den Feiertagen.
epd
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Sachsen Landesbischof Bohl
© Foto: W. Sturm

Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing warnt nach dem Berliner Anschlag vor zu schnellen Bewertungen und ruft zu unbedingter Sachlichkeit auf. Jetzt sei "nicht die Zeit für Reaktionen, jetzt muss erst mal aufgeklärt werden", sagte Rentzing dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dresden.

"Wenn das alles klar ist und die Zeit der Trauer für die Toten vorbei ist, dann mag man sich über all die politischen Fragen, die damit verbunden sind, auch unterhalten, etwa Sicherheitsfragen", betonte er.

Dagegen halte er es für "nicht sinnvoll und angemessen, wenn die Toten noch nicht mal beerdigt sind, jetzt schon nach irgendwelchen Konsequenzen zu rufen". Rentzing nahm damit Bezug auf die Proteste der asylfeindlichen "Pegida"-Bewegung und anderer Rechtspopulisten am Dienstagabend in Dresden. Am Montag war in Berlin ein Sattelschlepper in einen Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gerast. Zwölf Menschen starben. Es wird von einem terroristischen Hintergrund ausgegangen.

Dies sei "der erste größere Anschlag, den wir erleben mussten. Wir können nur hoffen und beten, dass es auf absehbare Zeit der letzte war", sagte Rentzing. Allerdings fügte er hinzu: "Wir wissen um das Böse in dieser Welt, wir wissen, dass es Gewalt, Mord und Totschlag, Hass und alles Üble, was man sich nur ausmalen kann, gibt und geben wird."

Insofern stimme auch der Satz: "Wir werden mit dem Terrorismus leben müssen." Trotzdem "möchte man sich nicht daran gewöhnen", sagte Rentzing. Der Glaube sei "ein Aufbegehren dagegen, dass man sich damit zufrieden gibt und die Situation fatalistisch hinnimmt." Auch "die, die nicht beten können oder glauben können, tragen die Sehnsucht nach Frieden in sich".

"Mit der Terrorbedrohung müssen wir leben und darauf vertrauen, dass solches Unheil uns nicht permanent und an jedem Ort ständig einholt." Eine der Weihnachtsbotschaften sei der Engelsgruß "Fürchte dich nicht!" Das sei eine Nachricht, "die man gerade jetzt in die Welt hinaustragen kann". Das sei "vielleicht die stärkste Verheißung, die wir uns gegenseitig mit auf den Weg geben können", sagte Rentzing.

Er selbst habe die Nachricht am Montag mit Bestürzung aufgefasst. "Der Schrecken war schon groß bei mir", sagte Rentzing, "allein schon deshalb, weil ich den Ort sehr genau kenne aus eigenen Kindertagen". Landesbischof Rentzing ist gebürtiger Berliner und wuchs dort auch auf.

Rentzing halte es für möglich, das nach dem mutmaßlichen Terroranschlag in Berlin an den Feiertagen mehr Besucher in die Kirchen kommen, sagte Rentzing dem Evangelischen Pressedienst. Durch solch einen Anschlag würden "ganz grundsätzliche existenzielle Fragen aufgeworfen". Diese drängten dann auch oft mehr Menschen in die Kirchen.

Sächsische Kirchen laden zu zahlreichen Weihnachtsgottesdiensten ein. Allein an Heiligabend würden wieder mehr als eine halbe Million Besucher in rund 1.800 Christvespern erwartet, teilte die evangelische Landeskirche am Donnerstag in Dresden mit.

In vielen sächsischen Kirchen finden an Heiligabend gleich mehrere Christvespern nacheinander statt. Am zeitigen Nachmittag stehen die Krippenspiele im Vordergrund, während in den späteren Vespern der Kirchenmusik mehr Raum gegeben wird, hieß es. Auch die Dresdner Frauenkirche und die Thomaskirche in Leipzig lädt zu mehreren Vespern ein.

Kirchliche Angebote gibt es zudem für Obdachlose und Menschen, die zu Weihnachten allein sind. In Zwickau bietet die Diakonie zusammen mit dem katholischen Pfarrzentrum eine Feier für Wohnungslose an. Vergleichbare Angebote gibt es am 24. Dezember unter anderem auch in Leipzig und Dresden.

Im Erzgebirge beginnt das Weihnachtsfest traditionell mit den Frühmetten am 25. Dezember. Aber auch dort finden bereits an Heiligabend zahlreiche Gottesdienste statt. Auch der Dresdner Kreuzchor pflegt diese Tradition. Er lädt um 6 Uhr zur Christmette in die Kreuzkirche ein, wo die Kruzianer die Weihnachtsgeschichte spielend und singend aufführen. An den Weihnachtstagen wird in vielen Gemeinden zu Festgottesdiensten mit Kirchenmusik eingeladen.

Der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing predigt am 24. Dezember in der Dresdner Kreuzkirche.

 

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