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Diakonie Sachsen arbeitet zum 150-jährigen Jubiläum Geschichte auf

epd
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Bettina Westfeld hat die Geschichte der Diakonie aufgearbeitet. @ Bernd Heinze
Bettina Westfeld hat die Geschichte der Diakonie aufgearbeitet. @ Bernd Heinze

»Nächstenliebe wirkt« – das Motto der Diakonie Sachsen ist zugleich ihr Auftrag. Vor 150 Jahren gegründet, hat sich die frühere Innere Mission zu einem leistungsfähigen Wohlfahrtsverband entwickelt. Inzwischen kümmern sich rund 22 000 Mitarbeiter in sachsenweit fast 2000 Einrichtungen um die Bedürfnisse von Menschen. Am Freitag feiert die Diakonie ihr diesjähriges Jubiläum in Dresden. Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) werden dabei sein.

Als »sichtbares Zeichen von Kirche« wird Diakonie oft beschrieben. Der Verband ist der soziale Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Kernbereiche sind die Betreuung von Behinderten, Kindern und Kranken sowie die Altenpflege. Die Arbeit mit den Menschen ist »der Gottesdienst im Alltag«, sagt der sächsische Diakoniedirektor Christian Schönfeld. Dabei sei das Motto »Nächstenliebe wirkt« der »kleinste gemeinsame Nenner« der Dienste. Der Ausgangspunkt dafür sei »die Liebe Gottes«, die sich im Handeln widerspiegeln soll.

»Gelebte Nächstenliebe – das ist unser Markenkern«, sagt Schönfeld. Natürlich müsse sich das Unternehmen auch rechnen. Das sei ein täglicher Kampf auf dem Sozialmarkt. Es gelte, »ein vernünftiges Maß zwischen Wirtschaftlichkeit, Menschenzuwendung und Verantwortung« zu finden.

Schönfeld und der Diakonische Vorstand sind in die Kritik geraten, weil sie unter Ausschluss der kirchlichen Öffentlichkeit eine Diakoniestiftung gegründet hatten, um eine Einrichtung vor der Schließung zu retten. Der innerkirchliche Streit schwelt noch immer. Einige kleinere Diakonieträger in den Regionen befürchten den weiteren Ausbau der Stiftung und damit verbundene Konkurrenz.

Die Gründung der Diakonie Sachsen erfolgte am 30. September 1867 in der Diakonissenanstalt in Dresden. Acht Männer kamen an diesem Tag zusammen, Freiherr von Welck übernahm den Vorsitz. Wie bei vielen gegründeten Vereinen der Inneren Mission führte damals kein Geistlicher den Vorsitz, sondern ein Vertreter des Adels, der sein Engagement als Ausdruck seines Christseins ansah.

Doch die Geschichte der Diakonie Sachsen ist auch von Unrecht überschattet. Erst jetzt zum Jubiläum hat die Diakonie Sachsen diesen Teil der Historie aufgearbeitet. Die Dresdner Historikerin Bettina Westfeld hat nach dreijähriger Forschung eine mehr als 300 Seiten starke Publikation vorgelegt. Darin ist erstmals auch eine Gesamtdarstellung für die Arbeit in den beiden deutschen Diktaturen enthalten.

Diakonie habe nie aufgehört, an die Bedürftigen heranzutreten, sagt Westfeld. Allerdings musste sie in der NS-Zeit etwa »mit dem Staat verhandeln, um an die Bedürftigen heranzukommen«. Das habe auch zu Verstrickungen mit dem System geführt.

Die Wohlfahrtsvereinigung befürwortete die Zwangssterilisationen, lehnte aber die Tötung von Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen ab. Dennoch konnte sich die Innere Mission angesichts des 1940 beginnenden Massenmordes nicht zu offenem Protest durchringen. Als Fragebögen zur Euthanasie ausgefüllt wurden, sei anfangs deren Zweck zwar nicht klar gewesen. Später aber, bei der Abholung der ihnen anvertrauten Menschen hätten die Verantwortlichen der Heime nicht öffentlichkeitswirksam protestiert – aus Angst um die Arbeitsfähigkeit der Diakonie, sagt Westfeld.

Allerdings warnten sie Angehörige der Kinder, beispielsweise im Katharinenhof Großhennersdorf oder in der »Anstalt für Epileptische« in Kleinwachau. Die traurige Nachricht sei, dass diese ihre Schützlinge trotzdem oft nicht nach Hause holten, sagt Westfeld. Mehrere hundert Bewohner wurden aus Heimen der Inneren Mission in Sachsen abtransportiert und ermordet. »Die Diakonie hat sich der Tötungsmaschinerie zu wenig entgegengestellt«, sagt Direktor Schönfeld. Das sei »das dunkelste Kapitel« in der Geschichte des Verbandes. »So gesehen feiern wir bei allen Errungenschaften nicht nur die Barmherzigkeit«.

Jahre später in der DDR sah sich die Diakonie einer offensiven Kriminalisierung ausgesetzt. Es gab Verbote, zum Teil mussten Einrichtungen schließen, die Bahnhofsmission wurde ausgeblutet und verschwand völlig. Auch das ist Teil der Geschichte des heute leistungsstarken Verbandes.

Mehr dazu: https://www.sonntag-sachsen.de/2017/39/unvollendeter-mission

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