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Dresden erinnert an die Opfer des Krieges und die Zerstörung der Stadt

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  • Menschenkette mit 12000 Teilnehmern

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  • Menschenkette mit 12000 Teilnehmern

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  • Teilnehmer des "Dresdner Gedenkweges" an der Frauenkirche – mit Gunther Emmerlich (li.), Oberlandeskirchenrat i. R. Harald Bretschneider (am Mikrophon) und Ludwig Güttler (3.v.r.)

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  • Denkmal der Trümmerfrau vor dem Rathaus

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  • Mahngang Täterspuren, konzipiert von Studenten der Evangelischen Hochschule Dresden

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  • Auftakt-Kundgebung auf dem Neumarkt

    Auftakt-Kundgebung auf dem Neumarkt

  • Veranstaltung auf dem Neumarkt

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  • Fotos von Gräbern – die Ausstellung "Lampedusa 361" erinnert an ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer

    Fotos von Gräbern – die Ausstellung "Lampedusa 361" erinnert an ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer

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    Fotos von Gräbern – die Ausstellung "Lampedusa 361" erinnert an ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer

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Symbole, mahnende Kunst, Appell zum Dialog: Die Dresdner haben den ganzen Montag an die Opfer des Zweiten Weltkrieges und an die Zerstörung ihrer Stadt vor 72 Jahren erinnert. Rund 12.000 Menschen bildeten am Abend eine Menschenkette rund um die Altstadt, um mit dem symbolischen Schutzwall ein Zeichen für Frieden und Toleranz zu setzen. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FPD) hatte zuvor in seiner Rede vor der wiederaufgebauten Frauenkirche betont, dass das Erinnern an die Geschichte auch eine "Brücke in die Gegenwart schlagen" müsse, um relevant zu bleiben. Hilbert rief zugleich zum friedlichen Dialog auf, in dem sich die Partner ernst nehmen.

Der FDP-Politiker betonte, dass in Dresden nicht nur Opfer, sondern auch Täter gelebt haben. Er verwies darauf, dass während der NS-Zeit "die NSDAP in Dresden Mehrheiten hinter sich versammelte, wie in keiner zweiten deutschen Großstadt. Hier gab es Rüstungsproduktion, Kriegsvorbereitung, Zwangsarbeit, Judenverfolgung". Auch sei er "weder der erste noch der einzige, der das thematisiert hat. Trotzdem zeigten die heftigen Reaktionen, das diese Frage Dresden immer wieder aufs Neue spaltet." Doch Gräben könnten nicht überwunden werden, "wenn es uns nicht einmal gelingt, den anderen reden zu lassen".

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), der sich wie Hilbert in die Menschenkette einreihte, betonte: Die Mehrheit der Dresdner lasse sich nicht von Störern beeindrucken und setze mit der Menschenkette ein friedliches Signal. Die Menschenkette umschloss auch das "Monument", eine temporäre Kunstinstallation des Deutsch-Syrers Manaf Halbouni vor der Frauenkirche, die zum Teil für heftige Kritik gesorgt hatte. Es zeigt drei hochkant aufgestellte Busse, wie sie in Aleppo als Straßensperre zum Schutz vor militärischen Angriffen eingesetzt wurden. "Dresden war 1945 eine zerstörte Stadt, so wie es Aleppo und viele Städte in Syrien oder auch der Ostukraine heute sind", betonte Hilbert.

In Dresden wird alljährlich am 13. Februar an die Opfer des Zweiten Weltkrieges und die Zerstörung der Stadt erinnert. Mehr als 20 Veranstaltungen standen in diesem Jahr auf dem Programm. Die Dresdner Frauenkirche hatte zum stillen Gedenken auf den Neumarkt eingeladen, wo zahlreiche Menschen eine Kerze als Zeichen der Erinnerung und Mahnung entzündeten.

Etwa 700 bis 800 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Initiative "Durchgezählt" an einem "Mahngang Täterspuren", auf dem Schauspieler an authentischen Orten von NS-Unrecht Texte zur Rolle Dresdens in der Nazizeit vorlasen. Am Vormittag hatte Hilbert auf dem Dresdner Altmarkt weiße Rosen niedergelegt. Dort wurden nach den Luftangriffen vom 13. und 14. Februar 1945 die Überreste von fast 7.000 Menschen verbrannt, die bei den Angriffen ums Leben kamen. Knapp 100 Menschen versammelten sich am Mittag in der Dresdner Frauenkirche zu einer Andacht. Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke rief dazu auf, "nicht nachzulassen im Gebet um Frieden und Versöhnung".

Nach Angaben der Polizei verliefen alle Veranstaltungen ohne Störungen. Die Beamten erteilten einen Platzverweis gegen einen 46-jährigen Mann, der mit einem Boot auf der Elbe unterwegs war und ein Plakat bei sich trug, das sich gegen das Gedenken richtete. Insgesamt waren im gesamten Stadtgebiet rund 600 Beamte im Einsatz.

Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Abend in der Kreuzkirche zu einem ökumenischen Gottesdienst. In diesen Tagen und gerade am 13. Februar sei es "gut zusammenzustehen", sagte Kreuzkirchenpfarrer Holger Milkau. Der Tag erinnere daran, "dass Menschen erschüttert werden können durch Menschen".

Traditionell läuteten um 21.45 Uhr alle Kirchenglocken der Stadt, dem Zeitpunkt des ersten Bombenangriffs auf Dresden am 13. Februar 1945. Bei vier Luftangriffen auf Dresden zwischen dem 13. und 15. Februar starben Schätzungen von Historikern zufolge rund 25.000 Menschen. Große Teile der Innenstadt und der Infrastruktur wurden zerstört.

Fotos: Steffen Giersch

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(1.Samuel 2,3)

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(1.Johannes 3,18)

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