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Dresdner Bündnis will Alltagsrassismus sichtbar machen

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© Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

In Dresden haben Verbände und Organisationen ein »Bündnis gegen Rassismus« gegründet. Die Mitglieder aus allen gesellschaftlichen Bereichen wollten »Alltagsrassismus sichtbar machen«, sagte Albrecht Engelmann, Ausländerbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens am Donnerstag in Dresden. Geplant seien zunächst Austausch und Beratung innerhalb der Verbände. Zudem solle es Bildungsangebote, Lobbyaktivitäten für Rassismusopfer und Kampagnen geben.

Rassismus gehe durch alle gesellschaftliche Bereiche, vom Kindergarten bis zum Pflegeheim - auch durch die Kirchgemeinden. »Wir wollen tatsächlich praktisch arbeiten und voneinander profitieren, ins Handeln kommen«, sagte Engelmann. Dazu würden zunächst rassistische Erfahrungen ausgetauscht. Zu dem Bündnis gehören unter anderem der DGB, die Arbeiterwohlfahrt und die Diakonie Sachsen sowie der Sächsische Flüchtlingsrat.

Das neue Bündnis wolle »zu einer Grundhaltung« gegen Rassismus befähigen. Auch in der Kirche seien Probleme mit Rassismus präsent, sagte Engelmann, da gebe es »ein ganzes Stück Arbeit«. In Dresden arbeiten bereits mehrere Initiativen für Toleranz und eine weltoffene Stadt, vor allem Netzwerke von Kulturschaffenden und Wissenschaftlern.

Das Bündnis wolle »Erfahrungen bündeln und davon gegenseitig profitieren«. Es verstehe sich als »Lobby für von Rassismus Betroffene« und setze sich »für eine schulische und außerschulische Bildung ein, die sich kritisch mit Rassismus auseinandersetzt«. Konkrete Aktionen in der Öffentlichkeit wurden noch nicht benannt.

Die Erstunterzeichner: Arbeitsstelle Eine Welt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Ausländerbeauftragter der Evangelischen Landeskirche Sachsens, AWO Landesverband Sachsen, Ayni-Verein für Ressourcengerechtigkeit e.V., Bund für Umwelt und Naturschutz Sachsen (BUND Sachsen), Brücke/Most-Stiftung, Dachverband Sächsischer Migrantenorganisationen e.V., Deutsche Jugend in Europa Landesverband Sachsen e.V. (djo), Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Sachsen e.V., DGB Bezirk Sachsen, Diakonisches Werk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Entwicklungspolitische Netzwerk Sachsen e.V. (ENS), Filmverband Sachsen e.V., Kulturbüro Sachsen e.V., Landesbüro Darstellende Künste Sachsen e.V., Landesverband Sachsen der Kleingärtner e.V., Netzwerk Antidiskriminierung Sachsen (NADIS), Netzwerk Demokratie und Courage, Netzwerk Tolerantes Sachsen, Ökumenisches Informationszentrum e.V./STUBE Sachsen, Opferberatung der RAA Sachsen e.V., Power4Africa e.V., Sächsischer Flüchtlingsrat e.V., Sächsischer Migrantenbeirat, Sächsischer Museumsbund e.V., Sächsischer Wander- und Bergsportverband e.V., Saida International e.V., Romano Sumnal e.V., Zentralrat der Muslime e. V., Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur e.V.

Weitere Informationen: www.buendnisgegenrassismus.de

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14 Lesermeinungen zu Dresdner Bündnis will Alltagsrassismus sichtbar machen
Gert Flessing schreibt:
28. August 2017, 11:45

Manchmal frage ich mich, ob "Rassismus" nicht ein Begriff ist, der, wie andere Zuweisungen auch, ein wenig inflationär gehandhabt wird.
Rassismus, also der Versuch, einen Menschen wegen seiner Herkunft und Volkszugehörigkeit, herab zu setzen und zu beleidigen, ist gewiss verachtenswert.
Vor Gott sind alle Menschen gleich und Paulus sprach davon, das in der Gemeinschaft der Christen die Frage nicht ist, ob jemand vorher Jude oder Grieche war.
Nun leben wir in Deutschland und da gibt es die Tendenz, in gutem, wie im Schlechten, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Zumal in einer Zeit, in der die, in Amerika erfundenen, Mikroagressionen, bzw. die Furcht davor, fröhlich gedeihen und das Leben und das Reden schwer machen.
Gut, jetzt haben wir also einen Atirassistischen Dachverband.
Möge er gut nachdenken, bevor er die große Keule rausholt. Es ist einfach "Negerküsse" platt zu machen. Da ist viel Luft drin.
Gert Flessing

Mitleser schreibt:
28. August 2017, 19:27

Natürlich gibt es Alltagsrassismus, und natürlich ist es nötig, etwas dagegen zu tun. So etwas gibt es ja auch hier von den üblichen Protagonisten zu lesen. Das Bündnis ist daher eine gute Sache.
Herr Schneider hat übrigens nicht "Realitätssinn mit Hass" verwechselt, Frau Britta. Das, was Sie hier unter Realität verkaufen wollen, ist in der Tat eine hassverzerrte Wahrnehmung, wie ich sie übler nicht kenne. Das ist mir auch schon lange aufgefallen.

Gert Flessing schreibt:
29. August 2017, 10:31

Ich weiß nicht, ob es "natürlich" ist, das es "Alltagsrassismus" gibt.
Zumal das wieder eines der schwammigen Worte ist, die man sehr schön verwenden kann, um andere, deren Meinung einem nicht in den Kram passt, mundtot zu machen.
Es gibt Rassismus. Der kann uns auch mal im Alltag begegnen.
Aber Rassismus ist nichts alltägliches.
Mich widert die Selbstgerechtigkeit an, mit der, leider auch in der Kirche, die Meinung vertreten wird, man könne die Gesellschaft, reinigen, indem man sie entindividualisiert, auch in ihrem Reden und ihrer Begrifflichkeit.
Was dabei raus kommt, ist nur bedauerlich.
Bis heute bin ich nicht der Meinung, das der "Mohr" im Struwwelpeter rassistisch ist, im Gegenteil. Ich halte es für eine Albernheit, bei solchen Dingen Aktionismus zu entfalten.
Vor allem aber halte ich es für gefährlich, wenn auch Kritik am Islam als eine Form des Rassismus betrachtet wird.
Wie sich, im Blick auf den Islam Verallgemeinerungen verbieten, verbieten sich diese auch im Blick auf die Menschen, die ihn kritisieren.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
31. August 2017, 12:28

Gut gesprochen!

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