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Eddy Stapel ist tot

Trauer um Vorkämpfer der Schwulenbewegung
epd
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Eddi Stapel
© Rolf Zöllner

Eddy Stapel gilt als Vorkämpfer der Schwulenbewegung in der DDR. Ohne sein Engagement hätte es den heutigen Lesben- und Schwulenverband und auch die »Ehe für alle« wohl so nicht gegeben. Am Sonntag ist der Altmärker im Alter von 64 Jahren gestorben.

Als der Bundestag Ende Juni für die »Ehe für alle« stimmte, konnte Eduard Stapel dies noch miterleben. In der Debatte wurde sein Einsatz ausdrücklich gewürdigt. Sein langjähriger Mitstreiter, der Grünen-Politiker, Volker Beck, hoffte, das ihm dieser Dank im Bundestag »noch etwas Kraft und Genugtuung gegeben hat«. 35 Jahre lang hatte Eduard Stapel, von vielen nur Eddy genannt, dafür gekämpft. Am Sonntag starb der 64-jährige Journalist und Theologe, der als Vorkämpfer der Schwulenbewegung in der DDR gilt, nach schwerer Krankheit in seinem Heimatort Bismark in der Altmark. Bis zuletzt hatte Stapel, der selbst seit 2010 verpartnert war, noch Interviews gegeben. Euphorisch über die Durchsetzung der »Ehe für alle«, die er für längst überfällig hielt, äußerte er sich da nicht mehr. Der Kampf für Gleichstellung, Bürgerrechte und Akzeptanz war aus seiner Sicht noch lange nicht zu Ende.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) würdigte am Mittwoch sein langjähriges Bundesvorstandsmitglied und späteren Ehrenvorsitzenden. Nicht nur der LSVD, auch die schwul-lesbische Emanzipationsbewegung und deutsche Bürgerrechtspolitik verliere eine prägende Persönlichkeit, die viel für die Demokratie geleistet habe, hieß es. Stapel sei die treibende Kraft bei der Gründung des Verbandes gewesen. Der am 30. Mai 1953 in Bismark geborene Altmärker war erster Bundesgeschäftsführer und Sprecher des am 18. Februar 1990 in Leipzig gegründeten »Schwulenverbandes in der DDR« (SVD). Er blieb es bis 2006, dann musste er sich aus gesundheitlichen Gründen von diesem Ämtern zurückziehen.

Seine Wurzeln hat der LSVD in der schwulen Bürgerrechtsbewegung, die sich in der DDR ab 1982 im Kontext der evangelischen Kirche und als Teil der DDR-Opposition gebildet hatte. Ihr Hauptorganisator war Eduard Stapel. 1982 war er Mitbegründer des Arbeitskreises Homosexualität der Evangelischen Studentengemeinde Leipzig, 1983 gründete er den Arbeitskreis Homosexualität Magdeburg. Ab 1985 stellte ihn die Evangelische Stadtmission Magdeburg für die Schwulen-Arbeit ein. Eine Pfarrstelle blieb dem offen schwul lebenden Theologen aber verwehrt, die Ordination wurde ihm verweigert.

Der Schwulenaktivist geriet mit seinem Engagement auch ins Visier der Stasi, die ihn unter dem Decknamen »After shave« bearbeitete. Daran erinnerte am Mittwoch in Magdeburg die Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker. Die Stasi habe seine Lebensweise und seine politischen Aktivitäten kriminalisiert, perfide seine Erkrankung und Operationen zu Zersetzungsmaßnahmen missbraucht. In dem 1999 in ihrem Haus erschienenen Band »Warme Brüder gegen Kalte Krieger. Schwulenbewegung in der DDR im Visier der Staatssicherheit« habe Stapel auch die Widersprüche und Ratlosigkeit hinsichtlich einer guten medizinischen Behandlung und seiner Bearbeitung als kriminalisiertem Staatsfeind formuliert, sagte Neumann-Becker.

Auf die später mehr als 20 Arbeitskreise Homosexualität in der DDR sollen 50 hauptamtliche und 200 inoffizielle Stasi-Spitzel angesetzt worden sein. Neumann-Becker sagte, der Name Eduard Stapels stehe für eine Kultur des offenen politischen Konflikts, des Sich-Kümmerns, der Anteilnahme und der Beharrlichkeit. »Mit ihm verlieren wir einen weitdenkenden Bürgerrechtler. Er hinterlässt eine schmerzhafte Lücke.«

1996 wurde Eddy Stapel das Bundesverdienstkreuz verliehen, 2003 erhielt er den Zivilcouragepreis des CSD Berlin. Fast bis zuletzt engagierte sich Stapel auch auf kommunalpolitischer Ebene, war unter anderem Ortsbürgermeister von Bismark und im Gemeinderat und Kreistag aktiv. Von 1998 bis 2000 war er Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen-Anhalt. Auch die Grünen würdigten seinen Einsatz für die »Ehe für alle« und sein Engagement. Volker Beck sagte: »Die kirchliche Schwulenarbeit in der DDR, das war Eddy. Ungeduldig und mit einem unverbrüchlichen Sinn von Gerechtigkeit war er ein echtes Vorbild für gesellschaftliches Engagement.«

Eduard Stapel soll Ende September in seinem Heimatort Bismark beigesetzt werden.

Das SONNTAG-Portrait vom Juni 2017 lesen Sie hier: www.sonntag-sachsen.de/2017/23/wir-haben-dir-unrecht-getan

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1 Lesermeinungen zu Eddy Stapel ist tot
Tobias Leipold schreibt:
08. September 2017, 23:49

Wer in der DDR als junger heterosexueller Mann von der Stasi verhaftet wurde und dann im Justizvollzug in Brandenburg oder anderswo ein paar Jahre zu verbringen hatte unter den Langzeitstrafern, die (selbstverständlich) "knastschwul" waren ....

... und heterosexuell waren nun mal fast alle politischen Gefangenen der DDR ....

... für den hat Homosexualität nicht unbedingt den Klang von Freiheit.

Gleiches gilt übrigens für die politisch Gefangenen Frauen in der DDR und ihren Aufenthalt in Hoheneck.

Homosexualität, auch mit Heranwachsenden, war damals in der DDR übrigens (anders als im Westen) nichts, was die Stasi strafrechtlich verfolgte.

Tageslosung

Der HERR wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich.

(Psalm 9,19)

Wir werden beim Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.

(1.Thessalonicheralonicher 4,17-18)

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