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Erfurt gedenkt Gutenberg-Opfer

Direktorin des Gymnasiums kritisiert Waffenbesitz zu Hause
epd
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Gedenkkerze
© Wilfried Giesers/pixelio.de

Erfurt gedenkt am Mittwoch der Opfer des Amoklaufs am Gutenberg-Gymnasium vom 26. April 2002. Neben einer Gedenkstunde am Ort des Geschehens lädt die Andreasgemeinde am Abend zu einer Andacht. Vor 15 Jahren hatte ein ehemaliger Schüler 16 Menschen erschossen, bevor er sich selbst richtete.

Um 11 Uhr soll beim Gedenken der Schulgemeinschaft auch zum ersten Mal die neugegossene Schulglocke erklingen. Dabei soll an jedes der einzelnen Opfer – zwölf Pädagogen, eine Sekretärin, zwei Gymnasiasten und einen Polizisten – mit einem Glockenschlag erinnert werden. Zur selben Zeit läutet auch die Glocke der Andreaskirche 16 Mal.

»Die beiden Glocken verbinden uns, in der Kirche und an der Schule«, sagt Pfarrerin Ruth-Elisabeth Schlemmer. Sie seien Zeichen: »Für unseren Schmerz, der bleibt. Für unsere Hoffnung, die ins Leben trägt. Für unser Herz, das nach draußen in die Stadt und zu den Menschen ruft: Habt Acht aufeinander«, so die Pfarrerin. Die Andacht »Neige deine Ohren und erhöre uns« in der Andreaskirche soll auch an den Abend nach der Bluttat erinnern, als Hunderte Erfurter in der überfüllten Kirche gemeinsam trauerten.

Im Vorfeld des Jahrestages waren aber auch kritische Stimmen zu hören. So warten die Hinterbliebenen der Opfer immer noch auf eine Entschuldigung der damals für den Rettungseinsatz Verantwortlichen und deren Eingeständnis, überfordert gewesen zu sein. An den Schulen gibt es zudem noch immer zu wenige Schulpsychologen.

Die Direktorin des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums, Christiane Alt, sieht noch große Mängel in der Ausstattung von Schulen mit Psychologen und Sicherheitstechnik. Es gehe nicht nur darum, Fällen exzessiver Gewalt vorzubeugen, sagte Alt der Oldenburger »Nordwest-Zeitung«. Eltern, Schüler und Lehrkräfte hätten auch im Alltag vielfältigen Unterstützungsbedarf.

Deshalb bräuchten Schulen Psychologen vor Ort: »Da diese Arbeit ein Vertrauensverhältnis braucht, kann sie nur durch Präsenz und Mitarbeit in der Schulgemeinde und nicht aus der Anonymität von Ämtern und Behörden erfolgreich sein.«

Darüber hinaus müssten Schulen auch »im Sinne der Sicherheit« besser ausgestattet werden, forderte die Direktorin. Sie kritisierte, dass es privaten Waffenbesitzern noch immer erlaubt sei, halbautomatische Sturmgewehre zu Hause aufzubewahren. »Diese Ignoranz kann Leben kosten. Die Änderung von Gesetzen scheint ein Kampf gegen Windmühlen.«

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