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Leipzig feiert das friedliche Ende der DDR

Theologin Käßmann beklagt »verbale Aufrüstung« in der Gesellschaft
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Der polnische Autor und Journalist Adam Krzeminski (l.) mit OBM Burkhard Jung
Der polnische Autor und Journalist Adam Krzeminski (l.) mit Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung. © Stadt Leipzig/W. Zeyen

Leipzig hat am Montag die Friedliche Revolution in der DDR vor 28 Jahren gefeiert. Unter dem Motto »Aufbruch, Verantwortung, Offenheit« wurde in der Stadt an die erste Massendemonstration gegen das SED-Regime vom 9. Oktober 1989 erinnert. Nur rund zwei Wochen nach der Wahl und dem Einzug der AfD in den Bundestag stand aber weniger der Mut der damaligen Demonstranten, als die Warnung vor neuen Grenzen im Mittelpunkt.

Niemand sei wohl 1989 mit dem Wunsch nach neuen Mauern in der Gesellschaft auf die Straße gegangen, sagte die evangelische Theologin Margot Käßmann beim Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche. »Um offene Grenzen ging es, um offene Herzen«, zeigte sich die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) überzeugt. Hass, Ausländerfeindlichkeit und Menschenverachtung dürften keinen Platz in Deutschland haben.

Käßmann beklagte, es gebe eine »verbale Aufrüstung« in Deutschland. Menschen würden bedroht oder niedergebrüllt, weil sie anderer Meinung seien. Während der AfD-Politiker Alexander Gauland es als Ziel von Politik angebe, andere »jagen« zu wollen, würden Menschen anderer Herkunft verachtet und tatsächlich gejagt. »Das ist beschämend für unser Land«, sagte Käßmann. Die Menschen in Deutschland müssten zu friedlichen Formen der Auseinandersetzung zurückfinden.

Der polnische Autor und Journalist Adam Krzeminski bemerkte in seiner »Rede zur Demokratie«, die AfD, die polnische PiS-Regierung und auch Donald Trump würden in ihrer Rhetorik immer wieder »dieselben Versatzstücke« benutzen. Das Land solle zurückgeholt, Eliten verjagt und die liberale »Lügenpresse« in die Schranken gewiesen werden. Doch eine rückwärtsgewandte Politik sei alles anderes als selbstbewusst. Vielmehr zeuge sie von Ratlosigkeit über eine sich rasant wandelnde Realität.

Krzeminski bezeichnete die aktuellen Entwicklungen als »konterrevolutionäre Phase«. Gerade in Polen und Ungarn, den beiden Wegbereitern für die friedliche Revolution, würde offen eine »konservative Gegenrevolution« ausposaunt und die nationale Abschottung von der Außenwelt durchgespielt, sagte Krzeminski. Ähnliche Tendenzen gebe es aber auch in Großbritannien, den USA, Frankreich und Deutschland.

Auch die Demokratie stehe zur Debatte: In den Vereinigten Staaten durch Präsident Donald Trump und seine »alternativen Fakten«, in Großbritannien durch die »hanebüchene Brexit-Kampagne« und auch in Deutschland durch die Erosion der Volksparteien, sagte Krzeminski.

Auf das traditionelle Friedensgebet und die »Rede zur Demokratie« folgte am Montagabend ein Lichtfest auf dem zentralen Augustusplatz. Aus mehreren Tausend Kerzen formierten die Menschen eine übergroße »89«, außerdem gab es ein Bühnenprogramm.

Am 9. Oktober 1989 hatten rund 70 000 Menschen nach dem Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche auf dem Leipziger Innenstadtring protestiert. Die Demonstration gegen das SED-Regime war die bis dahin größte und bedeutendste. Lange Zeit war unklar, ob sie friedlich bleiben würde. Heute gilt das Datum als ein wichtiger Wegbereiter für die friedliche Revolution in der DDR. Genau einen Monat später fiel in Berlin die Mauer.

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