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Sächsische Christen uneins über »Ehe für alle« – update

Entscheidung des Bundestages wird in der Landeskirche begrüßt und abgelehnt – neu: Bischof Rentzing für Ehe als Verbindung von Mann und Frau
Uwe Naumann
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Ehe für alle Abstimmung Bundestag
Der Bundestag hat die »Ehe für alle« und damit die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften auch in familiären Beziehungen beschlossen. © Wilhelmine Wulff_All Silhouettes.de/pixelio.de

Die Entscheidung des Bundestags zur Gleichstellung homosexueller Partnerschaften stößt in der Landeskirche Sachsens auf ein geteiltes Echo. Landesbischof Carsten Rentzing sagte: »Für mich als Vorsitzender der Kirchenleitung hat ungeachtet der Mehrheitsentscheidung im Bundestag der im Grundgesetz hervorgehobene Schutz von Ehe und Familie weiterhin im Sinne einer Ehe von Mann und Frau Vorrang. Es gelte weiterhin die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Frau und Mann, die in einer Erklärung der Kirchenleitung vor sechs Jahren zum Ausdruck gebracht wurde.« Im Moment ist es Pfarrern der sächsischen Landeskirche in einer »Gewissensentscheidung« erlaubt, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. (Mehr zu den juristischen Konsequenzen für die Landeskirche lesen Sie in der neuen Ausgabe von »Der Sonntag«)

Der Referent für Gottesdienst und Amtshandlung im Landeskirchenamt, Martin Teubner, betont die Aufwertung der Eheschließung durch die Entscheidung des Bundestages: »Es steigert das Bewusstsein für den Wert der Ehe, für ein Leben in dauerhafter Verantwortung füreinander.« Auf die Landeskirche bezogen habe die Entscheidung aber keine direkten Folgen. »Ich sehe momentan keinen Handlungsbedarf in unserer Landeskirche für eine neue Handreichung zur Segnung oder ein neues Kirchengesetz zur Trauung«, sagte Martin Teubner. Die Ehe sei eine weltliche Institution und werde dort nun gesetzlich angepasst. Im theologischen Verständnis habe sich nichts geändert. Er erwarte zwar, dass das Thema in der Landeskirche noch einmal diskutiert werde. Die grundlegenden Argumente seien aber bereits in der Diskussion um die Segnung homosexueller Paare ausgetauscht. »Wir als Kirche betonen weiterhin die Ehe zwischen Mann und Frau und Unterstützen den Wunsch, Leben weiterzugeben«, so Teubner. So beschreibe es Gottes Schöpfungsordnung.

Dass sich in der Landeskirche durch die »Ehe für alle« etwas ändern wird, wünscht sich Ulrike Franke. Die Leipziger Krankenhausseelsorgerin, die auch Mitglied der Kirchenleitung ist, lebt selbst in einer Beziehung mit einer Frau. Sie hat ihre Lebenspartnerschaft eintragen und sich mit ihrer Partnerin auch in der Kirche segnen lassen. »Ich wünsche mir, dass nach der Segnung auch die Trauung möglich wird«, so Franke. Sie sei froh, dass die Landeskirche die Segnung bereits beschlossen habe und nun nicht von der politischen Entscheidung getrieben werde. »Unser Eheverständnis müsste aber noch einmal theologisch diskutiert werden«, sagte die Pfarrerin. »Wenn die Ehe und ihre Werte jetzt so nachgefragt werden, dann ist das zutiefst konservativ«, meint die Theologin wertschätzend. Das Problem für die Ehe sei doch, dass sie allgemein kaum noch nachgefragt werde.

Das kirchlich-liberale »Forum für Gemeinschaft und Theologie« begrüßte die Entscheidung des Bundestags. »Die Ehe für alle ist gut wegen der Gleichberechtigung«, sagte der Leipziger Pfarrer Christoph Maier. »Sie bedeutet ja gleichzeitig auch Verantwortung füreinander zu übernehmen«, betonte der Sprecher des Forums die familiäre Bedeutung. Nun könnten homosexuelle Paare gleichberechtigt auch als Familie mit Kindern zusammenleben. »Die Ehe von Mann und Frau bleibt trotzdem die Norm, also der Normalfall«, so Pfarrer Maier. Niemand müsse Angst haben, dass sich das ändern werde. Er hoffe allerdings, dass sich in der Landeskirche die Praxis von der Segnung hin zur kirchlichen Trauung von homosexuellen Paaren ändern werde.

Positiv äußerte sich auch der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Öffnung der »Ehe für alle«. Noch vor der Abstimmung hieß es: »Für die EKD sind Vertrauen, Verlässlichkeit und die Übernahme von Verantwortung in der Gestaltung menschlicher Beziehungen von zentraler Bedeutung. Aus Sicht der EKD bietet die Ehe dafür beste Voraussetzungen und ist deshalb ein Zukunftsmodell.«

Der Evangelische Arbeitskreis (EAK) der CDU in Dresden habe »mit Befremden« zur Kenntnis genommen, »dass die wichtige Frage des Schutzes der Ehe und Familie so kurzfristig und kurz vor Ende der Legislaturperiode ohne politische Diskussion neu definiert werden soll«. EAK-Vorstandsmitglied Stefan Baier sagte: »Im Interesse der Kinder darf die klassische Ehe nicht der Beliebigkeit preisgegeben werden. Aus gutem Grund stellt Artikel 6 unseres GG die Ehe zwischen Mann und Frau unveräußerlich unter den besonderen Schutz der Rechtsordnung, nicht zuletzt weil nur hier eine gesunde Beziehung zwischen Kindern und ihren leiblichen Eltern gelebt werden kann.« Der Vorstand des Dresdner EAK bat deshalb alle CDU-Abgeordneten im Bundestag, das bei der Entscheidung über die »Ehe für alle« zu berücksichtigen.

Der sächsische CDU-Abgeordnete Thomas Feist hat dies auch getan. So wie Bundeskanzlerin Angela Merkel stimmte auch er gegen die »Ehe für alle«. Der Leipziger evangelische Christ begründete seine Entscheidung gegenüber dem Sonntag: »Die Ehe ist für mich die Vereinigung von Mann und Frau, ihr Wesensmerkmal ist, dass aus dieser Verbindung auf natürliche Weise Kinder entstehen können. Diese Verschiedengeschlechtlichkeit der Ehe wird vom Bundesverfassungsgericht sowie dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als Merkmal der Ehe bestätigt. Es unterscheidet sie grundlegend von der Lebenspartnerschaft, die ich als gleichwertige Form des Zusammenlebens genauso achte wie die Ehe. Daher stimmte ich mit »Nein« zur »Ehe für alle«.

Der Antrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke fand trotzdem eine Mehrheit im Bundestag. 393 von 623 Abgeordneten stimmten dafür, darunter auch 75 Abgeordnete von CDU/CSU. Damit können Lesben und Schwule nicht nur offiziell heiraten, sondern auch Kinder gemeinsam adoptieren.

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17 Lesermeinungen zu Sächsische Christen uneins über »Ehe für alle« – update
Johannes schreibt:
05. Juli 2017, 8:38

'Berlin.  Tausende homosexuelle Justizopfer werden Jahrzehnte nach ihrer Verurteilung rehabilitiert. Der Bundestag verabschiedete am Donnerstagabend einstimmig ein Gesetz, mit dem die damaligen Urteile aufgehoben werden . '
Nun ist es an der Zeit, dass die Kirche das Berufsverbot gegenüber gleichgeschlechtlich Liebenden aufhebt. Stellvertretend seinen hier genannt Eduard "Eddi" Stapel und Jens "Knolli" Ullrich. Der eine durfte erst gar nicht Pfarrer werden, dem anderen haben Kirchgemeinden im Kirchenbezirk Aue die Tür gewiesen. Begründet wird oft damit, dass Homosexualität dem Herrn ein Gräuel sei. Abgesehen davon, das andere Handlungen oder Haltungen, die in der Bibel verboten sind, längst nicht mehr als verbindlich verboten angesehen werden, sind weder in der Hebräischen Bibel noch im Evangelium verantwortliche Lebensgemeinschaften gleichgeschlechtlich Liebender nur andeutungsweise im Blick.
Johannes Lehnert

Beobachter schreibt:
05. Juli 2017, 12:39

Speziell auch für die Bibel und Jesus anzweifelnde Beinaheoberlehrer hier ein Zitat aus Wikipedia:
"Im Neuen Testament wird homosexuelle Praxis von Jesus in Mk 7,21f. zusammen mit anderem Fehlverhalten mitverurteilt. Dieser Lasterkatalog nennt an erster Stelle porneia („Unzucht“). Der Ausdruck bezeichnete damals alle Formen von Sexualverkehr außerhalb der heterosexuellen Einehe. Jesus hat in Mk 7,19 EU die Speise- und Zeremonialgesetze aufgehoben, demgegenüber aber in Mk 7,21f. die moralischen Gebote wiederholt."

Johannes schreibt:
05. Juli 2017, 19:17

Plötzlich wird wiki zur Wahrheitsquelle. Wenn man aus wiki etwas zitiert, was dem gelh nicht gefällt, ist es null und nichtig, komisch, oder?

Beobachter schreibt:
05. Juli 2017, 22:14

Jetzt scheint es Ihnen aber nicht zu gefallen?
Wahrheit ist schwer zu verkraften?

Gassereh schreibt:
05. Juli 2017, 12:56

Sicher wird das volle Adoptionsrecht hinzukommen. Aber das eigentliche Kindeswohl steht nur bedingt im Mittelpunkt der gleichgeschlechtlichen Adoptionswünsche und ist auch durch sicher in vielen Fällen gegebene, beachtliche Liebeszuwendung nicht zu garantieren. Denn eigentümlicherweise wird durch diejenigen, welche Freiheit in jeder Beziehung fordern, eine Beschneidung der Freiheit der Kinder billigend in Kauf genommen.
Im Gegensatz zu einem Kind in einer Vater-Mutter-Gruppierung, erleidet das in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung heranwachsende Kind eine gewisse Deprivationssituation bzw. Diskriminierung, da ihm der enge Kontakt mit der Gegengeschlechtlichkeit verwehrt bleibt (Fehlende Aktivierung von wichtigen Spiegelneuronen).
Die Frage nach dem Wohl des Kindes wird hier bei der versuchten Verwirklichung abstrakter Gleichheitsideen oder dem Versuch der Beseitigung eines auszuhaltenden, vielleicht unangenehmen Defizits, in der Regel gar nicht erst gestellt.
[Einzelheiten über „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ sind in dem Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4 nachzulesen]

Johannes schreibt:
05. Juli 2017, 19:25

Verehrter(s) Reh,

mir fällt bei den Diskussionen über Adoption durch Homosexuelle auf, dass immer vorgeführt wird, was einem Kind fehlt ohne Kontakt mit der "Gegengeschlechtlichkeit", so als würde das Kind einem Hetero-Paar weggenommen. Das ist aber nicht der Punkt, sondern die Wahl ist zwischen Aufwachsen ohne Eltern oder Aufwachsen mit zwei geichgeschlechtlich liebenden Eltern. Und da würdet Ihr wohl sagen: Besser im Heim als mit zwei fürsorglichen und kindesliebenden Schwulen oder Lesben? Das glaube ich nicht...
Johannes Lehnert

Beobachter schreibt:
05. Juli 2017, 22:31

Ach Herr Lehnert, manchmal ist es kaum noch zu ertragen, was Sie so loslassen!
"sondern die Wahl ist zwischen Aufwachsen ohne Eltern oder Aufwachsen mit zwei geichgeschlechtlich liebenden Eltern. Und da würdet Ihr wohl sagen: Besser im Heim als mit zwei fürsorglichen und kindesliebenden Schwulen oder Lesben? "
Nein es ist die Wahl zwischen dem, was von dem von Ihnen unflätig Angesprochenen wunderbar dargesteltt wurde und em Aufwachsen eines Kindes bei Mutter und Vater.
Und ja, wenn Sie sich die Mühe machen würden, sich zu informieren, könnten selbst Sie es wissen, im Grunde werden die Kindern den Hetero-Eltern "weggenommen". Ganz offiziell ist bekannt, daß weniger Kinder zu Adoption stehen, als von Elternpaaren angefragt wird!

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