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Streit um Moschee in Erfurt

Kirchgemeinden sind dafür
epd
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© Foto: epd-bild/Jens-Ulrich Koch

In den Streit um Protestkreuze gegen den Bau einer Moschee in Erfurt-Marbach kommt Bewegung. Man habe den mutmaßlichen Verursachern eine Frist zur Entfernung der Holzkreuze gestellt, teilte eine Erfurter Anwaltskanzlei am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Die Frist sei zwischenzeitlich abgelaufen. Das weitere Vorgehen werde nun mit der Stadt Erfurt, der Polizei und den Kirchenvertretern abgestimmt, hieß es.

Seit Anfang März werden auf einem Grundstück, das der Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) gehört, und das sich unmittelbar neben dem geplanten Bauplatz für die Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde befindet, immer wieder meterhohe Holzkreuze als Zeichen des Protest aufgestellt. Gegen diesen Missbrauch eines christlichen Symbols hatten sich das Bistum Erfurt und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung gewandt.

Darin bekräftigen die Bischöfe beider Kirchen, der Katholik Ulrich Neymeyr und die Protestantin Ilse Junkermann, "das Kreuz als Symbol des Christentums ist ein Zeichen der Gewaltlosigkeit, kein Kampfeszeichen." Mit Verweis auf die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit schrieben sie, Religionsgemeinschaften hätten das Recht auf die freie Ausübung ihrer Religion. "Deshalb begrüßen wir als christliche Kirchen den Moschee-Neubau in Erfurt." Zugleich riefen sie zu Besonnenheit in der Debatte auf.

In den vergangenen Tagen hatten sich im Internet Aufrufe gemehrt, die Kreuze mit Gewalt zu zerstören. So forderte etwa die Gruppe "Erfurt Nazifrei": "Wir wissen: Antifaschismus bleibt Handarbeit - und rufen dazu auf, das KKK-Kreuz zu Fall zu bringen." Mit KKK ist der offen rassistische Ku-Klux-Klan gemeint, der mit seinen Kreuzen "seit fast 100 Jahren Angst und Schrecken" verbreite. Für kommenden Mittwoch werde daher zu einer Demonstration nach Marbach aufgerufen.

Die Ahmadiyya-Gemeinde will im Erfurter Ortsteil Marbach eine Moschee bauen. Auf dem Grundstück neben ihrem geplanten Standort wurden Anfang März mehrere Holzkreuze aufgestellt. Beteiligt an den Aktionen seien unter anderem eine Gruppierung namens "Bürger für Erfurt" sowie Rechtsextremisten aus Halle und die neurechte "Ein-Prozent"-Kampagne gewesen, berichtete MDR Thüringen. Auch die AfD unterstütze den Protest, hieß es.

Die evangelischen Christen der Thüringer Landeshauptstadt haben sich unterdessen für den geplanten Bau einer Moschee im Erfurter Stadtteil Marbach ausgesprochen. "Die Errichtung einer Moschee trägt - wie der Bau einer Kirche oder einer Synagoge - zur Bereicherung der kulturellen und religiösen Vielfalt in unserem Land bei", heißt es in einer Erklärung, die von der Synode des Kirchenkreises am Donnerstagabend verabschiedet wurde. Mit dem Text reagiert das lokale Kirchenparlament auf die anhaltende Debatte um den ersten Neubau einer Moschee in Thüringen.

In ihrer Erklärung verweisen die Synodalen auf das Recht jedes Menschen, nach seinem Glauben und seiner Religion zu leben und sich dazu öffentlich zu bekennen. "Dazu gehört auch die Freiheit, unter Beachtung des geltenden Rechts, Bauwerke zu errichten, die der Religionsausübung dienen", heißt es in dem von den 53 anwesenden Synodalen bei zwei Enthaltungen angenommenen Text.

Die Synode bittet darin "alle Bürgerinnen und Bürger, Menschen, die sich zu ihrem Glauben und ihrer Religionsgemeinschaft bekennen, mit Respekt zu begegnen und ihre Gebetsräume und Bauwerke zu achten und zu schützen". Zugleich bietet sie im Namen der christlichen Kirchen einen offenen, im Geiste gegenseitiger Achtung geführten Dialog mit Christen, Muslimen, Juden oder Angehörigen anderer Religionen und nicht religiösen Menschen an und lädt "ausdrücklich" dazu ein.

Die Diskussion auf der Synode habe aber auch gezeigt, dass mit dem Abräumen der Kreuze der Konflikt nicht vorbei sei, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Zwar agierten in Marbach auch rechtspopulistische Gruppierungen, die nicht aus dem Ort kämen, doch sei auch bei vielen Anwohnern mangelnde Toleranz und Gesprächsbereitschaft zu spüren. Auch die Zurückhaltung der Stadt bei diesem Thema habe für Unverständnis gesorgt.

Gegen den Missbrauch eines christlichen Symbols hatten sich das Bistum Erfurt und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bereits am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung gewandt.  Darin bekräftigen die Bischöfe beider Kirchen, der Katholik Ulrich Neymeyr und die Protestantin Ilse Junkermann, "das Kreuz als Symbol des Christentums ist ein Zeichen der Gewaltlosigkeit, kein Kampfeszeichen." Zugleich riefen sie zu Besonnenheit in der Debatte auf.

 

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5 Lesermeinungen zu Streit um Moschee in Erfurt
Beobachter schreibt:
17. März 2017, 13:18

Mal ein paar Anmerkungen und Richtigstellungen!
Haben "kirchfürsten" neuerdings das Recht zu entscheiden, wer das Kreuz verwenden darf oder nicht, nur noch "poltisch korekt"? Wer hat sich für die Errichtung einer Moschee ausgesprochen, d i e C h r i s t e n in Erfurt oder ein paar abgehobene, basisferne "Palamentarier"? Es ist doch allgemein bekannt, daß die örtliche Kirchengemeinde tief gespalten und die Mehrheit gegen die Moschee ist.
Eine Moschee, zumal mit hohen Minaret ist nie nur ein Bauwerk , das der Religionsausübung dient!
Wer so eklatant gegen die eigene Basis "entscheidet" und zu "Demos" auffruft, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm die treuesten Schäfchen in Scharen davonlaufen!

Lore schreibt:
19. März 2017, 17:04

Ja, immer nehmt die Kreuze ab und versteckt sie unter euren Kutten. Habt ihr ja schon mehrfach getan. Ich jedenfalls habe mich für GOTT entschieden und bin aus EURER Kirche ausgetreten.

Beobachter schreibt:
20. März 2017, 9:56

Ja, liebe LOre, wenn "Kirche" weiter so an der Basis vorbei und unbiblisch agiert, wird sie immer mehr gerade der Treuen und einsatzfreudigen verlieren!

Bastl schreibt:
20. März 2017, 22:55

Das ist dich keine schlechte Aktion, wenn man Holzkreuze aufstellt. Ist es in Deutschland verboten des Islam abzulehnen? Ist dieser überhaupt grundgesetzkonform? Wieso distanzieren sich die Kirchen-Eliten von Kreuzen?

Beobachter schreibt:
22. März 2017, 12:49

Lieber Bastl, ja das sind interessante Fragen.

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(Hebräer 11,27)

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