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Tillich: Gespräch mit AfD richtig

Sachsens Ministerpräsident bei Bibelarbeit zu erleben
epd
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Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU)
© Laurence Chaperon/CC BY-SA 3.0/Wikipedia

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hält das Gesprächsangebot des evangelischen Kirchentags an die AfD für richtig. »Ich glaube, man kann niemanden davon überzeugen, dass er vom rechten Weg abgekommen ist, wenn man nicht mit ihm gesprochen hat«, sagte Tillich am Freitag auf dem Leipziger »Kirchentag auf dem Weg«. Gesellschaft funktioniere nur, wenn alle mitmachten, betonte der Katholik. Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge hatte am Donnerstag auf dem Kirchentag mit der Sprecherin der Vereinigung »Christen in der AfD«, Anette Schultner, diskutiert.

In einer Bibelarbeit zur Geschichte vom korrupten Zöllner Zachäus aus dem Lukas-Evangelium warb Tillich für Toleranz und Respekt im gesellschaftlichen Miteinander. In der Geschichte ist der kleingewachsene Zachäus auf einen Baum geklettert, um Jesus besser sehen zu können. Zur Empörung der Umstehenden bittet Jesus ihn herunter und lädt sich zu ihm ein.

Tillich sagte, Jesus hätte Zachäus für seinen Betrug an den Armen auch anprangern und ihm eine Moralpredigt halten können. »Aber er widersteht dem Populismus der Menge und geht diesen unbequemen Weg, um etwas zu verändern.« Daraus könne man lernen, sich im Umgang miteinander einen Vertrauensvorschuss zu geben und sich einander zuzuwenden. Dabei müsse man »die Geduld aufbringen, den anderen zuzuhören und andere Positionen auszuhalten«, sagte der Ministerpräsident. Nur, wenn man niemanden links liegen lasse, könne sich gesellschaftlicher Zusammenhalt entwickeln oder erhalten bleiben.

Populismus und Neiddebatten erteilte Tillich dabei eine deutliche Absage. »Beides ist destruktiv und bringt uns nicht weiter«, sagte der CDU-Politiker.

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17 Lesermeinungen zu Tillich: Gespräch mit AfD richtig
Wieland der Schmied schreibt:
26. Mai 2017, 15:58

Klingt gut, was der Tillich da sagt. Die AfD-Vertreterin wurde aber nicht zum Gespräch geladen, wohl eher zum Verhör durch drei Kirchenvertreter, davon ein Bischof und eine Moderatorin , die alles andere als unparteiisch war, also 3 gegen 1. Der Bischof Dröge als einladender Bischof gibt gleich am Anfang die Leitlinie aus,man könne sich nicht in einer Partei engagieren, die Mißtrauen sät und Ausgrenzung predigt, eine üble Vorverurteilung der AfD- Vertreterin also, und heizt damit die Stimmung im Saal an, der u.a.mit jugendlichen Krawallmachern gefüllt war. Die AfD-Frau verteidigte ihre Position gewissenhaft, wurde aber gegen Ende der Veranstaltung brüsk durch einen „jugendlichen Helden“, der das Podium unter dem Gejohle der anwesenden stürmte unterbrochen. Eine miese Nummer, Herr Bischof. Fazit: Die Kirche sucht keinen Dialog, sindern praktiziert ihre uralte Rechthaberei. Man lasse sie dort, denn sie kann nicht anders.

Johannes schreibt:
26. Mai 2017, 18:45

Ich verstehe die Kritik an der vorweg geäußerten Position des Bischofs, noch ehe das Gespräch im Gange war. Das offene Gespräch mit allen Menschen guten Willens ist Grund-Voraussetzung von Demokratie. Dazu sticht mir die Aussage aus der Bibelarbeit des MP Tillich ins Auge: 'Man dürfe niemand l i n k s liegenlassen.'
Johannes Lehnert

PS: Es hat in Sonntagskommentaren Kritik daran gegeben, dass die Ministerin von der Leyen predigen darf. (Mal abgesehen davon, dass die Predigt der Verteidigungsministerin zum sonst friedensbewegten Kirchentag ein gewisses 'Geschmäckle' hat!), wie frag-würdig ist eigentlich, dass ein Ministerpräsident eine Bibelarbeit hält? - Nicht, dass ich etwas dagegen hätte - im Gegenteil: der Kirchentag ist eine Laienbewegung! Aber mich interessiert: Gibt es für die Leyen-Predigt-Kritiker einen Unterschied zur Tillich-Bibelarbeit?

Nachtschwärmer schreibt:
27. Mai 2017, 1:48

Naja, wenn das wirklich so war, finde ich es okay, sehr okay. Wenn ein führender Vertreter einer Partei (Hampel, Landesvorsitzender in Niedersachsen) deren Mitglieder zum Kirchenaustritt auffordert (das gab es letztmalig in D bei der SED!!), braucht man sich über Gegenwind nicht zu wundern. Von daher hat der Bischof alles richtig gemacht. Das Gespräch in Berlin fand im übrigen nicht in einem Saal, sondern in einer Kirche statt. Dort ist auch meiner Meinung nach kein Platz für rechte Propaganda. Und wenn die AfD nicht eingeladen wird, ningeln sie auch wieder. Also Opfer sind sie immer.

Gert Flessing schreibt:
28. Mai 2017, 9:00

Ich bin kein Nachtschwärmer und rede mit jedem. Das ist eigentlich auch unsere Aufgabe.
Ich rede mit jedem, ohne vorher zu sagen: Dieser oder jene sind von vorn herein nicht gesprächsfähig.
Ein Bischof sollte etwas offener sein für die Menschen, die ihm begegnen.
Tillich hat recht. Wir sollten niemanden ausgrenzen.
Was nun den Aufruf von einem aus der AfD anbelangt, aus der Kirche auszutreten, so habe ich hier, im Sonntag, früher auch schon mal solche Aufrufe gelesen - von Christen.
Auch ich kenne Christen, treue Gemeindeglieder, die sehr wahrscheinlich AfD wählen werden. Sie haben das Gefühl, das sie von der landläufigen Politik nicht gehört oder nicht ernst genommen werden.
Sie fühlen sich selbst von der Kirche verraten, wenn Frau Käsmann meint, das jemand, der zwei deutsche Eltern und vier deutsche Großeltern hat,, quasi ein Nazi sei.
Da kann ich nur immer wieder abwiegeln und sagen, das nicht solche "Funktionsträger" Kirche sind, sondern sie, die in der Gemeinde ihren Weg unter dem Wort und, oft genug, in treuem dienst, gehen.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
28. Mai 2017, 22:29

lIeber Gert, aber was macht man mit solchen "Funktionsträgern" wie Frau Käßmann oder andere (linke) Bischöfe? Schließlich prägen die das Bild der "KIrche" nach außen und sollen Hirten der Gemeinde sein. Auch Deiner "treuen Gemeindeglieder", die es irgendwann nicht mehr gibt, eben wegen dieser "Funktionsträger"!
Gruß Joachim

Johannes schreibt:
29. Mai 2017, 23:40

auf deutsch: Funktionsträgern wie Frau Käßmann oder andereN BischöfeN -- nee, nee wie doch Abneigung über die deutsche Sprache siegen kann...

Beobachter schreibt:
29. Mai 2017, 13:29

Hier mal zum "Fall Käßmann" ein paar Ausschnitte aus einer offenen Mail eines Bekannten an enstsprechende kirchliche und politische Gremien:
"Die Aufregung im Netz über die hässliche Aussage von Margot Käßmann ist zurecht groß und wird nun zu vielen weiteren Kirchenaustritten führen.

Denn ist wohl eins klar: Die ehemalige Ratsvorsitzende und Landesbischöfin der evangelischen Kirche ist kein Vorbild für die Christen dieser Welt, denn mit ihrem an den Haaren herbeigezogenen AfD-Nazi-Bashing hat sie sich auch von einer der zentralen Botschaften der christlichen Lehre abgewandt, dem Gebot der Feindesliebe und ihre protestantische Kirche endgültig zur politischen Bewegung gemacht:
Im Neuen Testament steht nämlich geschrieben:
Jesus von Nazareth: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch verfluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet (Mt. 5, 43-45).
Genau das aber tut Frau Käßmann nicht. Sie trennt „ihre“ Schafe in Gut und Böse nach ihrer politischen Gesinnung, verteufelt die Andersdenkenden, predigt ihren Hass auf kritische Bürger von der Kanzel herab, macht sie zu Ausgestoßenen der Gesellschaft – und das auch noch zu einem Zeitpunkt, zu dem in Ägypten gerade mal wieder über 20 koptische Christen vom IS abgeschlachtet wurden.
.
Schauen wir uns dazu mal die entsprechende Passage im AfD-Grundsatzprogramm an, auf das sich Frau Käßmann bezieht und das sie so aufregt:
Den demografischen Fehlentwicklungen in Deutschland muss entgegengewirkt werden. Die volkswirtschaftlich nicht tragfähige und konfliktträchtige Masseneinwanderung ist dafür kein geeignetes Mittel. Neben einer maßvollen, an qualitativen Kriterien orientierten Einwanderung, muss vor allem die Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung durch eine effektive familien‐und kinderfreundliche Politik erhöht werden…
Die Rede ist also von der einheimischen Bevölkerung, die natürlich auch für die AfD nicht nur aus „reinen“ Deutschen besteht, sondern bunt durchsetzt ist mit Türken, Italienern, Polen, Russen, Vietnamesen, Thailändern, Libanesen und anderen Menschen mit Migrationshintergrund mit deutschem Pass.
Da wir davon ausgehen, dass Frau Käßmann dieses Grundsatzprogramm ebenfalls gelesen hat, bevor sie auf dem Kirchentag mit bösen Töne herumgiftet, ist das von ihr eine böswillige Unterstellung, wenn sie den Begriff „einheimische Bevölkerung“ in Bezug auf die AfD mit dem „kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten“ in Verbindung bringt.
Und es sagt einiges über ihr rassistisches Gedankengut, wenn sie bei dem Begriff „einheimisch“ sofort die blonde nationalsozialistische Arierfamilie im Kopf hat: Einheimisch scheint für sie also nur derjenige zu sein, der zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern vorweisen kann – also „reinen Blutes“ wäre.
Außerdem Frau Käßmann: Was ist an dieser Aussage im AfD-Grundsatzprogramm verwerflich:
Die Alternative für Deutschland bekennt sich zur traditionellen Familie als Leitbild. Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes. In der Familie sorgen Mutter und Vater in dauerhafter gemeinsamer Verantwortung für ihre Kinder. Diese natürliche Gemeinschaft bildet das Fundament unserer Gesellschaft. Die originären Bedürfnisse der Kinder, die Zeit und Zuwendung ihrer Eltern brauchen, stehen dabei im Mittelpunkt. Es sollte wieder erstrebenswert sein, eine Ehe einzugehen, Kinder zu erziehen und möglichst viel Zeit mit diesen zu verbringen. Die AfD möchte eine gesellschaftliche Wertediskussion zur Stärkung der Elternrolle und gegen die vom Gender Mainstreaming propagierte Stigmatisierung traditioneller Geschlechterrollen anstoßen. Kinder sind kein Karriere hemmender Ballast, sondern unsere Zukunft. Wenn ein Elternteil die Erziehungsleistung allein tragen muss, bedarf es besonderer Unterstützung.
Da kann man eigentlich auch nichts fehlinterpretieren. Es sei denn, man verfolgt böse Absichten.
Denn wer in diesem Familienbild etwas Verwerfliches, gar Nationalsozialistisches entdecken zu glaubt, ist nicht von dieser Welt. Margot Käßmann muss der „braune Sturm“ den Kopf völlig durcheinander gewirbelt haben.
Die Verbindung zwischen Nationalsozialismus und deutschen Vorfahren zu ziehen, ist ebenfalls nicht zu rechtfertigen. In jedem anderen Land dieser Welt ist das ein Grund für Stolz und Verbundenheit mit der Geschichte des Heimatlandes – man denke nur an die stammbaumverrückten Amerikaner, für die jeder europäische Ur-Opa Grund zur Freude ist."

Thomas aus Leipzig schreibt:
29. Mai 2017, 19:52

Nun ich denke die "Lutherbotschafterin" hat das ganz ernst gemeint. Sie scheint tatsächlich so zu denken. Und weil sie sicherlich auch deutsche Großeltern hatte, steht sie nun selbst in der "braunen" Ecke.
Mich wundert die panische Angst vor der AfD. Diese Partei würde sicherlich nicht so stark gewinnen, wenn die alten Parteien Probleme lösen würden. Sie reden aber immer nur darüber. Und wer offenen Auges durch das Leben geht, der sieht weiter wachsende Probleme.

Johannes schreibt:
30. Mai 2017, 16:07

Stimmt! Daran kann ich mich gut erinnern: "Was nun den Aufruf von einem aus der AfD anbelangt, aus der Kirche auszutreten, so habe ich hier, im Sonntag, früher auch schon mal solche Aufrufe gelesen - v o n C h r i s t e n ."

Nachtschwärmer schreibt:
31. Mai 2017, 1:27

Stimmt! Das zeigt leider nur die geistige Verwandtschaft. Aber besser macht es das auch nicht. Im Gegenteil!

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