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Leipziger Atheisten wollen keinen »stillen« Karfreitag

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Am Karfreitag wurde Jesus gekreuzigt. © Dieter Schütz/pixelio.de
Am Karfreitag wurde Jesus gekreuzigt. © Dieter Schütz/pixelio.de

Trotz des kirchlichen Feier- und Ruhetages lädt die Leipziger Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung am Karfreitag zu einer Tanzveranstaltung in die Moritzbastei im Stadtzentrum ein. Die sogenannte Heidenspaß-Party sei ein »Appell an den sächsischen Landtag zur Streichung der Vergnügungsverbote am Karfreitag« und werde erstmals in der Messestadt veranstaltet, erklärte der Sprecher der Initiative, Maximilian Steinhaus, am Dienstag in Leipzig.

Mit ihrer Aktion beruft sich die Initiative auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 2016, in dem ein Verbot der »Münchener Heidenspaß-Party 2007« und die entsprechenden Bestimmungen des Bayerischen Feiertagsgesetzes »für nichtig erklärt« worden sei. Das Gericht habe festgestellt, dass am stillen Karfreitag getanzt werden darf, sofern der Tanz »Ausdruck einer klaren weltanschaulichen Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist«, erklärte der Sprecher. Das treffe bei seiner Initiative zu.

Die Leipziger Party beginnt am Abend mit einem Vortrag, danach könne auch vor 24 Uhr getanzt werden, hieß es. In Sachsen gibt es laut Gesetz die Möglichkeit, von dem Vergnügungsverbot eine »Befreiung« zu beantragen. Ostern sei »zumindest in Sachsen längst kein christliches Fest mehr, sondern ein volkstümliches Familien- und Frühlingsfest«, begründete die Initiative ihren Vorstoß. Vergleichbare Aktionen gebe es neben München auch in Bochum.

Die Giordano-Bruno-Stiftung ist nach eigenen Angaben »eine Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung, die sich am Leitbild des evolutionären Humanismus orientiert und der sich viele renommierte Wissenschaftler, Philosophen und Künstler angeschlossen haben«. Die Leipziger Regionalgruppe gebe den »säkularen Humanisten, Konfessionsfreien und Atheisten in Leipzig eine Stimme«, hieß es.

Christen erinnern am Karfreitag an den Tod Jesu Christi am Kreuz. Der Tag wird auch »Stiller« oder »Hoher Freitag« genannt. In der katholischen Kirche ist er ein strenger Fasten- und Abstinenztag.

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15 Lesermeinungen zu Leipziger Atheisten wollen keinen »stillen« Karfreitag
Schönfeld Thomas schreibt:
02. April 2018, 19:14

Da hilft nur Konsequenz. Wer den Karfreitag nicht möchte, der will sicher auch Ostern, Pfingsten, Bußtag etc. nicht.
So wenig Weltverständnis schmerzt. Aber wir haben es auf dieser Welt noch mit ganz anderen Kalibern zu tun. Ganz einfach: Wer oben Aufgeführtes nicht möchte, geht einfach zum Dienst. Da haben alle was davon. Jeder auf seine Art. Pasta und Schluss mit dem fruchtlosen, besserwisserischem Gesülze.

roman schreibt:
09. April 2018, 13:51

Als ein Atheist, der sich extra dafür mal ein Wochenende arbeitsfrei genommen hat, um den Frühling zu feiern, verstehe ich die Aufregung hier nicht. Sonnenwendefeste (woraus dann Ostern wurde) gab es schon lange vor dem Christentum. Da wurde vor allem getanzt und gesungen. Denn der Beginn des Frühlings ist etwas Freudiges.

Allerdings möchten Christen anderen Menschen zu dieser Zeit das freudige Feiern verbieten, obwohl die, die da feiern möchte, niemanden das Nicht-Feiern verbieten.

frühlingshafte Grüße!

Und ohne Gott fehlt mir ganz sicher nichts.

Johannes schreibt:
09. April 2018, 18:17

Klingt schon sehr "informiert": Sonnenwende ist im Juni, da kann bestenfalls Pfingsten, aber nie Ostern liegen. Nun erkläre mir einer, wie aus dem Sonnenwendfest (um den 24. Juni herum) ein Osterfest werden kann, das z.B. am 22. März gefeiert wird!
Und: Kein Mensch verbietet das fröhliche Tanzen zu Ostern. Es geht nur um den Karfreitag, und das ist eben (für Informierte!) zweierlei.
Am besten gefällt mir das Argument mit dem "Nicht-Feiern" verbieten. (So spricht der Raser: Wieso verbietet mir jemand das Schnellerfahren als 50 kmh? Ich verbiete doch auch dem Schleicher nicht, langsamer zu fahren als 50! grins)
Und ein Letztes: Viele sehen die christlich-abendländische Kultur in Gefahr! Aber wenn an e i n e m von 365 Tagen im Jahr darum gebeten wird, auf die Gefühle der Christen Rücksicht zu nehmen, ist plötzlich die große Freiheit in Gefahr...
Johannes Lehnert

Alexios Garotman schreibt:
09. April 2018, 19:04

Ja, lieber Herr Roman - danke für den Hinweis. Es ist immer wieder zu beobachten, dass im Vergleich zu den Hochreligionen der Volx- Atheismus die viel simplere Angelegenheit ist.. Und eigentlich nur eine Art einfallsloses Heidentum ... Ihnen fehlt nichts. Aber Sie fehlen ...

Gert Flessing schreibt:
17. April 2018, 11:24

Ich glaube schon, das unsere "christlich - abendländische Kultur" zur Disposition steht. Ein gewisser "roman", der sich äußert, ist der beste Beleg dafür. Er ist aber nur die spitze des Eisberges, was die "Informiertheit" anbelangt.
Ja, und aus solcher Informiertheit wächst dann sehr schnell Borniertheit, weil man ja "weiß" wie das alles zusammengehört.
Auch ich freue mich in jedem Jahr über Ostern und bin, in jüngeren Jahren, gern zum Ostertanz gegangen.
Aber so, wie wir die Freude von Ostern nicht ohne die Stille und Besinnung von Karfreitag verstehen können, können wir die Freude am aufblühenden Frühling kaum begreifen, wenn wir die Stille und Besinnung der Natur in der Zeit des Winters nicht wahrhaben wollen.
Nein, ich will hier keinen Zusammenhang herstellen, der nicht existiert. Die Freude am Frühling ist eine Freude an der Schöpfung und die Freude an Ostern eine, die über das, was uns hier erfreut, hinaus weist.
Doch das begreifen manchmal kaum Christen. Wie will man es dann von selbstgefälligen Nichtchristen erwarten.
Gert Flessing

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