Raus und weg
Austritte: Die Zahl der Kirchenaustritte ist weiter hoch, wenn auch nicht mehr so dramatisch wie bisher
Die Zahl der eingetragenen Mitglieder der Landeskirche hat sich seit 1990 halbiert. Sie sank von rund 1,3 Millionen auf nunmehr 575 500 (Stand 31.12.24). Laut Finanzdezernentin Kathrin Schaefer gingen die erneuten Mitgliederverluste vor allem auf Sterbefälle zurück. Zugleich sank die Zahl der Taufen. Sie liegt inzwischen bei rund 3000. Im Vorjahr der Erhebung, 2023, gab es noch 3900 Kinder- und Erwachsenentaufen.
Konkret verlor Sachsens evangelisch-lutherische Landeskirche binnen eines Jahres insgesamt 16 864 Mitglieder. 9761 davon traten aus der Landeskirche aus. Im Jahr 2023 waren es 10 407 Menschen, die ihrer evangelischen Landeskirche aktiv den Rücken kehrten. Doch der aktuelle Trend ist leicht verlangsamt: Im Jahr 2023 belief sich die Zahl des totalen Mitgliederverlustes auf 18 135. Die relativ niedrigen Zahlen der Verstorbenen erklären sich mit den hohen Raten während der Corona-Pandemie: 11 876 Gemeindeglieder sind im Jahr 2024 verstorben. 2020 waren es 15 012, 2021 genau 14 891 Menschen, 2022 rund 13 820, 2023: 12 457.
Landesbischof Tobias Bilz sagte mit Blick auf die neuesten Statistiken, Austritt sei ein Ausdruck der Freiheit eines Christen. Weiterhin sagte er zu möglichen Ursachen: Seiner Wahrnehmung nach gebe es heute zum Teil gegensätzliche Erwartungen an das, was Kirche tun und sagen soll. Die Vielfalt sei einerseits eine große Stärke von Kirche, weil sie damit auch ein Vorbild für die Gesellschaft wäre. Zugleich bestehe darin »eine große Herausforderung«, »weil immer weniger Menschen bereit sind, das Ausbalancieren dieser unterschiedlichen Haltungen innerhalb unserer Kirche mitzutragen«. Das sei bedauerlich. Er äußerte zugleich die Hoffnung, dass die Kirche wieder eine verbindende Kraft entwickelt. Sie müsse es schaffen, in aller Unterschiedlichkeit zusammenzubleiben und zu zeigen, »dass der gemeinsame Glauben uns verbinden kann, auch wenn wir in ethischen oder politischen Fragen unterschiedlich denken«. Christen könne es nicht egal sein, in welcher Welt sie leben.
Auch das katholische Bistum Dresden-Meißen verzeichnete nach eigenen Angaben einen Rückgang der Austrittszahlen. Diese sanken von 2771 im Jahr 2023 auf 2588 in 2024.
Zugleich warb Bilz für das Sakrament der Taufe. »Die Taufe hat für mich immensen Wert. Auch und gerade in gesellschaftlich und weltpolitisch unsicheren Zeiten. Wer sich taufen lässt, erfährt: Ich bin angenommen und geliebt. Und diese Zusage Gottes gilt für ein ganzes Leben. Egal, was passiert. Diese Verheißung schenkt Sicherheit in unsicheren Zeiten.«
Das gelte auch für ihn selbst: »Mir ermöglicht das Wissen um meine Taufe tagtäglich einen zuversichtlichen Blick auf das, was um mich herum geschieht. Die Taufe eröffnet eine größere Perspektive auf alles. Damit kann ich auch anderen Hoffnung weitergeben.« Wer getauft wird, sagt Bilz, habe Zugang zur Kirchgemeinde und zu alltäglichen Glaubensvollzügen. Dies verbinde mit einer vielfältigen, gar weltumspannenden Gemeinschaft. »Wer getauft ist, ist Teil einer großen Glaubensfamilie.«
Auf Anfrage klärte der Bischof zudem über die Möglichkeit des Wiedereintritts auf. Grundsätzlich zuständig sei die örtliche Gemeinde, Ansprechpartner das Pfarramt. »Das Erste ist dann, dass die Pfarrerin oder der Pfarrer um ein Gespräch bitten.« In diesem Gespräch werde um den vormaligen Grund des Austritts gesprochen – und welchen Grund es nun für den Wunsch nach Wiedereintritt gebe.
Das erfolge keinesfalls in kritischer oder anklagender Manier. »Aber die Frage ›Was war der Grund dafür, dass Sie ausgetreten sind?‹, die ist natürlich wichtig. ›Was ist jetzt anders geworden?‹. Und dann gibt es bei uns tatsächlich wie eine kleine Handlung, eine Art Segenshandlung, die man in einer Gruppe in der Gemeinde durchführt.« Manchmal geschehe das auch im Gottesdienst oder aber auch im kleinen Kreis. Das könne (gern) besprochen werden. »Es ist wie ein kleiner Ritus. Das schätzen die Leute sehr, weil ja Riten unser Leben auch strukturieren und den Dingen Gewicht geben. Dieser Ritus – und dann gehört man wieder mit dazu.« Noch einmal getauft werde hingegen nicht, so Bilz abschließend. Gute Nachrichten gibt es übrigens auch hinsichtlich erfolgter Eintritte: Im Jahr 2024 wurden exakt 320 neue Mitglieder in die Landeskirche aufgenommen, im Vorjahr, also 2023, waren es 280.
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