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Nicht verzweifeln am Elend der Welt

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben. Johannes 10,11, Vers 27.28
Beate Bahnert
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Ich will aber kein Schaf sein! Ich will selber mein Leben bestimmen, selber entscheiden, wem ich folge oder ob ich ganz ausschere. Irgendwann, früher oder später auf dem Weg ins Erwachsenenleben, hinterfragen wir den Kinderglauben.

Es gibt wohl kein schöneres Bild für ihn als den »guten Hirten«, zumal in dieser Jahreszeit. Niedliche Osterlämmer im frischen Grün warten geradezu darauf, dass sich Kinderhändchen in ihrem Fell vergraben. Der Gedanke ans Opferlamm ist noch weit, und wie gerne würden wir selbst auch unseren Kindern schmerzliche Widersprüche ersparen.

Mein »guter Hirte« hatte für mich in den 60er Jahren die Gestalt eines Buches zur »Einübung in den christlichen Glauben und in das christliche Leben«, erschienen bei der Evangelischen Verlagsanstalt. Die klaren Illustrationen Christian Rietschels haben sich mir bleibend eingeprägt.

Vorbei sind die Zeiten der damaligen »christlichen Unterweisung«. Geblieben ist das Bild vom Hirten. Erfahrungen über Erfahrungen habe ich wie Steine aufgesammelt.

Immer wieder hinterfragen sie dieses Bild. Kann sich die Stimme im bunten Überangebot vernehmbar machen? Locken scheinbar wohlmeinende Hirten wieder einmal ihr »Wahlvieh« in ihre Richtung? Was ist los mit der Welt, wo Krieg und Not täglich zunehmen? Sind die Menschen nicht fähig, aus der Geschichte zu lernen? Verzweifeln müsste man am Elend der Welt, wenn da nicht dieses Bild aus dem Kinderglauben wäre: Ich bin der gute Hirte. Zwar fühle ich mich immer noch nicht als Schaf, aber alle Selbständigkeit hat mich gelehrt, dass ich nicht für die Welt, sondern für mein Tun und Lassen verantwortlich bin. Das ist wahrhaftig genug.

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