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Theologe Richter fordert Debatte über Ostdeutschland

Keine Rückkehr in die CDU
epd
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Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche Dresden Frank Richter
© Stiftung Frauenkirche/Ronald Bonss

Angesichts eines gewachsenen Populismus hält der Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche Dresden, Frank Richter, eine umfassende Debatte über Fehlentwicklungen in Ostdeutschland für notwendig. Dagegen sei »das permanente und vordergründige Verweisen auf politische Entscheidungsträger wohlfeil und kontraproduktiv«, sagte Richter der Tageszeitung »Die Welt« (Freitag).

»Nicht nur die Regierung, auch die Opposition und auch die Gesellschaft sollten die Debatten zur Aufarbeitung der Nachwendezeit führen, damit Populisten nicht noch mehr Zulauf bekommen«, betonte der ehemalige Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Die »beste gesellschaftliche und politische Ordnung, die Deutschland je hatte«, sollte verteidigt werden.

Im Zuge des ökonomischen Umbaus Ost seien »Fehlentscheidungen, Kränkungen und Ungleichbehandlungen« erfolgt, sagte Richter der Zeitung. Diese sollten auch benannt werden dürfen. »Ich sehe da ein Defizit keineswegs nur in der einen oder anderen Partei«, sagte der studierte katholische Theologe.

Der Aufbau der »Hardware, also Straßen und Infrastruktur«, habe »hervorragend funktioniert«. Vernachlässigt worden sei jedoch »die Software der Gesellschaft«. Den erneuten Enttäuschungen sei »der Nationalismus als Muster für Orientierung und Anerkennung« gefolgt.

»So notwendig der Elitentransfer von West nach Ost nach 1990 war, so problematisch ist seine Verstetigung«, sagte Richter. »Über die wahrgenommene und gefühlte Dominanz muss im Sinne eines Sachverhalts gesprochen werden dürfen, ohne dass dies persönlich genommen oder moralisch verstanden wird.«

Den Rücktritt von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) habe er »als persönliche Entscheidung wahrgenommen, die Respekt verdient«, sagte der Stiftungsgeschäftsführer weiter, der im August 2017 nach 25 Jahren Parteimitgliedschaft der CDU den Rücken gekehrt hatte. Da er sich nicht an Tillich »gestört« habe, stelle sich die Frage nach einer Rückkehr in die CDU nicht.

Tillich (58) hatte am Mittwoch nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl überraschend seinen Rückzug für Dezember angekündigt. In Sachsen war am 24. September 2017 die AfD stärkste Kraft vor der CDU geworden.

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4 Lesermeinungen zu Theologe Richter fordert Debatte über Ostdeutschland
Beobachter schreibt:
20. Oktober 2017, 13:15

Richtig, Herr Richter, "Die »beste gesellschaftliche und politische Ordnung, die Deutschland je hatte«, sollte verteidigt werden."
Betonung auf h a t t e ! Damit sie uns nicht wieder vollkommen abhanden kommt, sind die Leute, zu großen Teilen dieselben wie 89, wieder auf der Straße und wählen Alternativen zum jetzigen "Machtaparat"!
Tillich istmit seiner Entscheidung Achtung zu zollen. Früher war das normal, daß die Leute, die ein so schlechtes Wahlergebnis einfuhren, wie jetzt zum Beispiel die CDU den HUt nehmen. Heute stellt man sich hin und meint, man wisse nicht, was man anders machen sollte und daß man asl "stärkste" Partei einen (Regierungdbildungs)"Auftrag hätte!

Manfred schreibt:
21. Oktober 2017, 10:49

Herr Richter, sie haben alles richtig gemacht. Gegen die Einstellung – Die Partei, die Partei hat immer Recht - kommen sie nicht an. Auch in der DDR war es so, dass die Partei das absolute Sagen hatte. Leider sind die aus der DDR kampferprobten Personen wieder in ein hohes Amt gekommen. Frau Merkel gehörte als FDJ-Sekretärin sogar zu der Organisation, die man als Kampfreserve der SED benannte. Die meisten Ostdeutschen waren nach der Wiedervereinigung der Meinung, dass auch sie etwas mitbewegen könnten. Falsch, wir wurden vereinnahmt. Eine sachliche Diskussion ist heute nicht möglich, weil jede abweichende Meinung, als Rechte oder Nazis gebrandmarkt wird. Mit dieser undemokratischen Art, nimmt sich der Staat eine enorme Möglichkeit, Ideen und Vorschläge aufzunehmen und gegeben falls umzusetzen. Dies hat Herr Richter versucht, ist aber nicht durchgekommen.

Gert Flessing schreibt:
22. Oktober 2017, 12:47

Bevor man über Leute redet, sollte man mit ihnen reden.
Aber das wird der Herr Theologe wohl wissen.
Leider ist es oft so, das, auch in der Kirche, über dieses oder jenen oder jene geredet wird und man tiefsinnig und tiefenpsychologisch fundierte Analysen anstellt, wie es den "so weit" gekommen sein kann.
Aber hingehen und direkt fragen, das scheut man sich. Könnte ja sein, das die Antworten nicht gefallen.
Was wollen die Menschen unseres Volkes denn anderes, als Heimat. sowohl geistliche, als auch ansonsten möchten sie das spüren und Geborgenheit finden in einer Welt der Ungeborgenheit.
Aber das hat ihnen die Politik nicht gegeben und die Kirche? Sie begegnet mir mit, mit den Vorwürfen gegen Menschen, von Populismus bis hin zu Nationalismus, fast, wie ein Anhängsel der Parteien, die sich, in ihrer Ruhe gestört fühlen, durch die aufbegehrenden Leute, dort draußen.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
22. Oktober 2017, 18:35

Das hast Du sehr gut beschrieben, lieber Gert!

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HERR, wenn ich an deine ewigen Ordnungen denke, so werde ich getröstet.

(Psalm 119,52)

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.

(Lukas 10,39)

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