Bischofskreuz sucht Träger
Streng geheim sucht die Kirchenleitung nach Kandidaten für die Nachfolge von Jochen Bohl. An sie gibt es viele Wünsche, aber einen Favoriten gibt es nicht – und das hat Gründe.
Die Wahl eines evangelischen Landesbischofs soll öffentlich und transparent sein – die Suche nach Kandidaten indes ist eine Blackbox, aus der nichts nach außen dringen soll. In ihr versucht sich die Kirchenleitung derzeit an der Quadratur des Kreises. Aus den Wünschen und Vorschlägen der 18 sächsischen Kirchenbezirke und des Ältestenrates der Synode muss sie bis zur Frühjahrssynode im April drei Namensvorschläge destillieren.
Ein Stellenprofil für einen neuen Landesbischof oder eine Landesbischöfin zeichnet sich schon ab. Egal, ob man im Erzgebirge fragt oder in der Dresdner Neustadt: Ein neuer Oberhirte sollte in den Rissen der Landeskirche wie etwa in der Frage der Homosexualität verbindend wirken, steht auf der Wunschliste ganz oben – und er sollte Erfahrungen an der sächsischen Kirchenbasis und Gespür für deren Eigenheiten mitbringen.
»Es müsste jemand sein, der die Theologie in unsere Sprache übersetzt, gut zu verstehen ist und oft in die Kirchgemeinden geht«, fasst der Glauchauer Superintendent Johannes Jenichen Erwartungen aus seinem Kirchenbezirk zusammen. Was die Mitarbeiter des Kirchenbezirks Dresden Nord vom neuen Bischof erwarteen: »Die Fähigkeit, kirchliche Standpunkte auch Talkshow-fähig in Debatten einzubringen – und zugleich das Geistliche im Sinne von tiefer Spiritualität und liturgischer Kompetenz zu stärken«, so Superintendent Albrecht Nollau.
Sachsen sucht den Super-Bischof? Eine sechsköpfige Kommission der Kirchenleitung sichtet in diesen Wochen alle Wünsche und Kandidatenvorschläge aus den Kirchenbezirken, sucht nach besonders häufig genannten Eigenschaften und Namen und erstellt daraus eine geheime Liste mit Vorschlägen für die Kirchenleitung. Noch gebe es keine Einigung, ist zu hören.
Beteiligte am Auswahlverfahren wie auch Beobachter sagen alle etwas Ähnliches wie der Marienberger Supterintendent Rainer Findeisen, der selbst in der Findungskommission sitzt: »Es schält sich kein schillernder Favorit heraus.« Als sich alle sächsischen Superintendenten im Herbst zur Bischofswahl besprachen, hob keiner von ihnen die Hand und keiner wurde aufs Schild gehoben. Gründe dafür gibt es einige. Viele der amtierenden Sups gelten schon als zu alt für eine Kandidatur, auch hält die in den letzten Jahren angewachsene Aggressivität in kirchlichen Debatten potentielle Kandidaten ab. Am Ende ist es womöglich auch ein Eliten-Problem: Die evangelische Kirche, die am Leib Christi auf Gleichheit achtet, scheint die herausragenden Köpfe mitunter wenig zu schätzen und zu pflegen. Dann fehlen sie.
Einige Namen sind dennoch auffällig oft zu hören. Die Kirchenleitung würde gern mehr Frauen in Führungspositionen haben, eine Bischofskandidatin scheint Pflicht. Doch nur ganz wenige Frauen bringen wie Margrit Klatte, derzeit Pfarramtsleiterin des größten Kirchspiels der Landeskirche in Dresden-Neustadt und designierte Oberlandeskirchenrätin, auch Leitungserfahrung mit. Aus den konservativen Kreisen der Landeskirche und der Bekenntnisinitiative wiederum wird wiederholt der Markneukirchener Pfarrer und EKD-Synodale Carsten Rentzing vorgeschlagen.
Wie bei früheren Bischofswahlen wäre auch die Riege der Oberlandeskirchenräte ein Kandidaten-Reservoir – jung genug für das Amt wären etwa der für Gemeindeaufbau und Mission zuständige Dietrich Bauer oder Bildungsdezernent Burkart Pilz. Schließlich ist es möglich, dass sich doch noch einer der jüngeren Superintendenten wie etwa der Annaberger Olaf Richter erweichen ließe. Oder ein landeskirchenweit agierender Theologe wie Jugendpfarrer Tobias Bilz. Oder aber: ein Überraschungskandidat.
Impressionen vom Elbe-Tauffest
Impressionen vom Elbe-Kirchentag in Pirna
Festtag 100 Jahre Glaube + Heimat
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