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Arme Eltern? Pech gehabt

Andreas Roth
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In diesen Tagen werden an Abendbrottischen und in Klassenzimmern wieder Lebenschancen vergeben. Akademikereltern fordern und fördern ihre Viertklässler, damit sie es aufs Gymnasium schaffen. In diesem Jahr in Sachsen ganz besonders, weil Richter die starre Grenze der Bildungsempfehlung gekippt haben. Das Ergebnis zeigt die neue PISA-Studie: Wer studierte und gut verdienende Eltern hat, hat gute Chancen auf ähnlichen Erfolg. Wer arme oder weniger gebildete Eltern hat, hat Pech.

Und natürlich finden das alle schlimm. Die Akademiker und Gutmeinenden zuallermeist. Nur wenn es ums eigene Kind geht, sieht die Sache ein wenig anders aus. Natürlich muss es aufs Gymnasium oder wenigstens auf eine besondere Oberschule. Denn Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Zur Wahrheit gehört aber auch: Auf normalen Oberschulen befürchten viele Akademiker einen Null-Bock-Sog und Schlimmeres, Kinder zum Beispiel, die lieber Computer als Geige spielen, auf ungesundes Essen stehen und denen Lady Gaga mehr sagt als Johann Sebastian Bach. Selbst wenn das oft nicht stimmt: Auch diese Gefühle sind Treiber der Ungerechtigkeit bei den Bildungschancen. Denn sie vertiefen die Spaltung.

Die Kirche ist ein Teil dieser Entwicklung. Genau so ungewollt wie viele Eltern. Ihre Schulen ziehen die gebildeten und engagierten Eltern an. Die Kinder und Jugendlichen, die eine gute Schule besonders nötig haben, bleiben draußen. Die Kirche pocht auch im eigenen Interesse auf ein freiheitliches Schulsystem mit vielen Wahlmöglichkeiten. Doch nützt diese Freiheit zuallermeist nur den Starken. Die Schwächeren bleiben irgendwo auf der Strecke. Und unter sich. Die Kirche merkt es kaum. Denn solche Menschen kommen kaum zu ihr.

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5 Lesermeinungen zu Arme Eltern? Pech gehabt
Lutz Guenther schreibt:
07. Dezember 2016, 17:44

Man kann sich ja mit dem Argument beruhigen (oder rechtfertigen), dass die konfessionellen Schulen dadurch auch Kirchenferne mit ihrem Angebot erreichen. Aber es sind eben oft Kinder aus dem Umfeld der Besserverdienenden, weil sich Andere das nicht leisten können. Sonderpädagogik für die Besonderen... Jakobus hatte da noch Einwände (vgl. Jak 2, 1ff). Wenn gute Bildung auch bei "Kirchens" am Geldbeutel hängt, sind wir nicht besser als der vielgescholtene Staat.

Gert Flessing schreibt:
08. Dezember 2016, 8:55

Was heißt "stark" und was heißt "schwach"?
Ich wage es zu bezweifeln, das Bildung eine Frage der finanziellen Gegebenheiten ist.
Bildung hat auch etwas mit dem Wunsch zu tun, eben diese zu erwerben.
Das setzt Eltern voraus, die ihrem Kind gute Chancen ermöglichen wollen und es fördern.
Um sein Kind zu fördern braucht man weniger Geld, als Zeit.
Sicher haben Akademiker einen anderen Horizont als weniger gebildete Menschen.
Doch können auch Menschen, die nicht Akademiker sind, eine natürliche Neugier auf Welterfahrung haben.
Wenn ich meinem Kind Geschichten vorlese, anstatt es mit den geläufigen Medien ruhig zu stellen, wenn ich mit ihm rede und mit ihm singe, öffne ich ihm Wege.
Offen kann jeder sein. Auch ich komme nicht aus einer Familie von Akademikern. aber ich hatte Eltern, die viel mit mir geredet haben und viel mit mir unternommen haben und so meinen Wunsch weckten, mehr von der Welt zu erfahren.
Öffentliche Bibliotheken helfen dabei und die sind auch heute fast kostenlos.
Gert Flessing

L. Schuster schreibt:
08. Dezember 2016, 21:04

Einfach wie in Berlin, erst ab der 6.Klasse entscheiden lassen wer auf Gymnasium kann oder will, nur so haben die oft besseren „Spätstarter“ oder Kindern von armen Eltern eine Chance.
Doch das verhinderte das unsoziales, gut versorgte Establishment die es Zumutung für ihre Kindern hält, das sie mit den „Schwächeren“ länger als 4 Jahre lernen zu müssen. Daher ist es jetzt lachhaft wenn diese Establishment, Akademiker einige Viertklässler fördern ihre, damit sie es aufs Gymnasium schaffen, letztlich doch, um ja nicht das System zu verändern. Die hier Helfenden sind wahrscheinlich die, die mit aller Macht und PR verhindern das man Kinder nicht bis zur 6. Klassen solidarisch zusammen lernen lässt.

Gert Flessing schreibt:
09. Dezember 2016, 8:08

Gute Bildung hängt "bei Kirchens" nicht am Geldbeutel.
Es gibt immer die Möglichkeit, das Schulgeld, das nicht einmal sonderlich hoch ist, ermäßigt oder gespendet zu bekommen.
Auch unsere Kirchgemeinde hat so schon die Patenschaft für Kinder übernommen, deren Eltern finanzielle Probleme hatten.
Doch "gute Bildung" hat eben nur bedingt mit Schule zu tun.
Ich finde es nicht schlimm, dass es bei Menschen, auch im Blick auf die Bildung, Unterschiede gibt.
Schlimm würde ich es finden, wenn es keine es die vielfältigen Bildungsmöglichkeiten nicht geben würde oder, wenn, wie zu Zeiten der DDR Menschen wegen ihrer Einstellung von höherer Bildung ausgeschlossen würden.
Ich wehre mich entschieden gegen den Gedanken einer völligen Nivellierung der Gesellschaft.
Ich wehre mich auch gegen den Gedanken, das "Elite" etwas schlechtes sei.
Das wir nicht alle dazu gehören, ist völlig klar. Aber nur keinen Neid. Es ist, so denke ich besser, nach dem Gedanken zu leben, das es halt verschiedene Gaben gibt, die erst im Zusammenspiel, eine funktionierende Gesellschaft ermöglichen.
Wichtiger, als alles andere, ist es, alle Menschen gleichermaßen wert zu schätzen, egal, was sie, im Blick auf Bildung, erreichen konnten.
Gert Flessing

Anke Spröh schreibt:
14. Dezember 2016, 19:36

Sehr geehrter Herr Roth,
Sie lassen Ihre Leser im Dunste stehen. Nun machen Sie mal Butter bei die Fische!
Was genau werfen Sie den kirchlichen Trägern vor? Im Rahmen des Sonderungsverbots wäre das ein schwerer Vorwurf, den Sie hier zwischen die Zeilen geschrieben haben.
Ich bitte Sie um genauere Ausführungen, heraus aus der Pauschalisierung, hin zu konkreten, kritisierbaren Zuständen.
Vielen Dank
Anke Spröh

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Der HERR sprach: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.

(1.Mose 8,21)

Ihr wisst, dass der Sohn Gottes erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme.

(1.Johannes 3,5)

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