Halb voll oder halb leer?
Freudvoll leben: Angesichts des Themas der derzeit laufenden Allianz-Gebetswoche »Joy – damit meine Freude sie erfülle« stellt sich die Frage: Wie können wir erlöster leben?
Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? – Je nachdem, wie ich diese Frage beantworte, soll ich ja entweder Optimist oder aber Pessimist sein. Doch genau genommen stimmt beides. Das Glas ist sowohl halb gefüllt, hat aber auch noch Platz für weitere »Füllungen«. Doch wie beurteile ich das nun? Kann ich mich an dem halben Glas freuen oder bedaure ich, dass da noch mehr drin sein könnte? Es kommt auf meine Haltung an, wie ich das, was ich wahrnehme, beurteile. Freude über das, was im Glas ist. Oder Bedauern über das, was noch möglich gewesen wäre. Das eine ist das, was ich wahrnehme. Also das sowohl gefüllte als auch noch halbleere Glas. Das andere ist, wie ich diese Wahrnehmung beurteile, wie ich mich zu dieser Wahrnehmung verhalte. Der griechische Philosoph Epiktet hat es vor knapp zweitausend Jahren so formuliert: »Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen.«
Wenn das so ist, dann hat das Konsequenzen. Wenn ich nämlich zwischen meiner Wahrnehmung und deren Deutung, Bewertung oder Urteil unterscheide, dann bemerke ich meinen Einfluss. Ich habe Einfluss darauf, wie ich die Welt einschließlich Gott und mich selbst erlebe. Es liegt an meiner Haltung, an mir selbst, welche Bedeutung ich meinen Wahrnehmungen beimesse.
Wenn ich durch meine Haltung meine eigenen Wahrheiten erschaffe, dann habe ich auch die Möglichkeit, meine Haltung zu ändern und die Dinge anders zu beurteilen. Die Liste der Dinge, die uns ängstigen oder beunruhigen, kann lang sein: Existenzbedrohungen, gesundheitliche Probleme, drohender Jobverlust oder finanzielle Schwierigkeiten können allesamt beunruhigend sein. Wie ist das dann allerdings, wenn wir die Liste der eigenen Sorgen durchgehen und Bilanz ziehen? Wenn wir eine solche Bestandsaufnahme unserer Sorgen und Ängste machen, werden wir feststellen, dass viele dieser Befürchtungen niemals eingetreten sind. Ist das nur Zufall oder pures Glück? Epiktet jedenfalls wusste schon um den allgemeinen Hang, sich vorsorgliche Sorgen um alles Mögliche zu machen. Ein Hang, der heutzutage von der Evolutionsbiologie wissenschaftlich bestätigt und begründet werden kann.
Unsere Meinungen über die Dinge, die wir uns ein-gebildet haben, kann zur Falle werden. Je phantasievoller und tiefschürfender ich darüber nachdenke, was alles passieren könnte, desto länger wird meine persönliche Sorgenliste werden. Und so werde ich zum Schöpfer meiner eigenen Horrorgeschichten. Der Grund dafür ist wohl das Bedürfnis nach Schutz. Im Fall, dass eine meiner vielfältigen Horrorszenen wirklich eintritt, ist die eigene Psyche dann schon mal vorbereitet. Sollte dann allerdings wenig davon eintreten, was zumeist der Fall ist, ist ein erheblicher Teil wertvoller Lebensstunden verschwendet. Die Meinungen über die Dinge, die wir uns ein-gebildet haben, sind uns damit zur Falle geworden. Statt wie ein Kaninchen auf die imaginäre Schlange zu starren, hätte ich die Zeit auch mit Fröhlichkeit oder Freude verbringen können. Insofern sind Meinungen und Haltungen der Schlüssel zur eigenen Lebensqualität. Wir selbst haben es in der Hand, wieviel Raum wir angstmachenden Einflüssen in uns geben. Wenn wir wollen, können wir aus dem Angst-Kreis aussteigen. Gerade Christen haben dabei guten Grund, Optimisten zu sein. Wenn es in der Weihnachtsbotschaft heißt: »Fürchtet euch nicht!«, dann ist das doch unüberbietbar. Die Welt und das Leben sind zwar voller Gefahren. Doch es wäre gut, genau hinzusehen und zu unterscheiden zwischen dem, was ich wahrnehme und dem, wie ich es deute. Auf diese Weise lassen sich dann auch die wirklichen Gefahren von den eingebildeten besser unterscheiden.
So ließe sich durch kluges Reflektieren eine Menge an Stunden für gute Lebensqualität gewinnen. Jede unnütze innere Unruhe, die aufgrund falscher Meinungen in uns entstünde, hätte dann keine Chance mehr, uns das Leben zu vermiesen.
Impressionen vom Elbe-Tauffest
Impressionen vom Elbe-Kirchentag in Pirna
Festtag 100 Jahre Glaube + Heimat
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